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Klara-Franke-Preis 2022 für Irene Stephani und Mechthild Merfeld

Am 6. März 2022 wurden zwei Moabiter Frauen mit dem Klara-Franke-Preis ausgezeichnet, die sich in ganz unterschiedlichen Projekten in Moabit engagieren. Es sind auch nicht die ersten Preise, die sie im Laufe ihres Lebens bekommen haben. Irene Stephani erhielt 2020 zusammen mit 23 anderen Berlinerinnen und Berlinern die Berliner Ehrennadel des Berliner Senats für besonderes soziales Engagement. Bei Mechthild Merfeld ist die Auszeichnung schon ein wenig länger her, ihr verlieh 2005 der Bundespräsident Horst Köhler den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland für ihre gesellschaftspolitisches Engagement – gemeinsam mit fünf anderen Berlinerinnen und Berlinern und 41 weiteren Personen.

Der Klara-Franke-Preis wurde zum 13. Mal verliehen. Aus fünf von Moabiterinnen und Moabitern vorgeschlagenen Persönlichkeiten und einer Gruppe wählte die Jury aus Freiwilligen der Mitglieder im Verbund für Nachbarschaft und Selbsthilfe in Moabit und Hansaviertel, der alle zwei Jahre den Preis auslobt, diese beiden Preisträgerinnen aus, wobei deren langjähriges Engagement den Ausschlag gab:

Irene Stephani hat 1993 die Initiative für den Moabiter Kinderhof mit ins Leben gerufen, der schließlich 1997 in der Seydlitzstraße auf dem Gelände des Grünflächenamtes eröffnen konnte. Seitdem kümmert sie sich unermüdlich ehrenamtlich als Leiterin um die Geschicke des Projekts und hat schon einer ganzen Generation Kindern zu Spielfreude und sinnvoller Freizeitbeschäftigung verholfen. Auch Hausaufgabenhilfe kommt nicht zu kurz. Die frühere Lehrerin und jetzige Schulsozialarbeiterin weiß, was Kinder brauchen: Sachen selber machen, kreativ mit der Natur, mit den Tieren, Hütten bauen, Trommeln, Handwerk. Angefangen hatte die Initiative für einen Abenteuerspielplatz mit einem Lehmbauprojekt in der Lehrter Straße, dort steht jetzt die SOS Botschaft für Kinder. Es war ein langer Weg bis zur Förderung des Projektes, die immer wieder auf dem Spiel stand. Auch dabei musste sie manchmal – frei nach Klara Frankes Motto – den „Politiker*innen auf die Füße treten“. Irenes langes Durchhaltevermögen und ihr Einsatz für Kinder überzeugte.

Dass die zweite Preisträgerin aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend sein konnte, hat wohl kaum mit der sprichwörtlichen Unglückszahl 13 zu tun. Mechthild Merfeld entschied sich durch die erste Kampagne „Sie waren Nachbarn“ 2011 zur Mitarbeit in dieser Initiative. Ihre Wohnadresse war auf der Liste von Deportierten. Sie recherchierte, fand heraus, dass die Adresse auf der Liste ein Irrtum war: es handelte sich um eine Straße gleichen Namens in einem anderen Bezirk. Doch sie blieb dabei und suchte Kontakt zu Nachkommen von anderen Verfolgten und Ermordeten aus Moabit. So ist die langjährige Zusammenarbeit der seit 2015  als Verein organisierten Initiative mit Benjamin Gidron aus Israel hauptsächlich ihrem Engagement zu verdanken. Er machte es sich zur Lebensaufgabe für die verfolgten und die 23 ermordeten Familienmitglieder Stolpersteine zu verlegen, viele davon in Moabit. Nach dem Motiv für ihr unermüdliches Engagement befragt, sagt Mechthild Merfeld: „Weil sich Demokratie nicht von selbst versteht und es wichtig ist, der nachkommenden Generation dafür die Befähigung zu geben.“ Und das ist gerade in diesen Tagen aktueller denn je.

Die Preisverleihung fand – wie in den vergangenen Jahren – in der Kunststätte Dorothea der Dorotheenstädtischen Buchhandlung statt. Klaus-Peter Rimpel sorgte für die kulturelle Untermalung mit Berliner Liedern von Michael Schirmer, am Klavier begleitet von Erwin Böhlmann. Dazwischen las Karola Beck einzelne Szenen aus ihrem neuen Roman „Kulissenwechsel„, dessen politisches Thema allerdings nicht wirklich angesprochen wurde.

Mehr Informationen zu Klara Franke und den früheren Preisträgern und Preisträgerinnen unter: www.lehrter-strasse-berlin.net/klara-franke

 

ursprünglicher Artikel vom 29. Dezember 2021:

Wer soll 2022 den Klara-Franke-Preis für Bürger-Engagement erhalten?

Der Verbund für Nachbarschaft und Selbst­hilfe Moabit lobt 2022 wie­der den Klara-Franke-Preis aus, der vom Verbund alle zwei Jahre vergeben wird. Benannt ist er nach Klara Franke (1911-1995), der Kiez­­mutter der Lehr­ter Straße, die sich uner­­müdlich für ihre Nach­bar­innen und Nach­barn, benach­­­tei­ligte gesell­schaft­liche Gruppen, für jung und alt eingesetzt hat.

Wenn Du was erreichen willst, musst Du den Politikern auf die Füße treten!“, Klara Franke

Mit diesem Preis werden Menschen aus Moabit geehrt, die sich freiwillig für ihren Stadtteil engagieren, an Menschen, die in Moabit leben und sich für die Bewohne­rinnen und Bewohner einsetzen. Dabei stehen benach­tei­ligte Gruppen, soziale Zwecke, aktives Kiez­leben und gute Nach­bar­schaft im Mittel­punkt. Denn manchmal verbessern schon kleine Ideen die Lebens­bedingungen im Stadtteil.

Jede/jeder kann PreisträgerInnen aus Moabit vor­schlagen. Wer engagiert sich für ein l(i)ebenswertes Moabit und für gute Nachbarschaft in unserem sich rasant verändernden Stadtteil? Wer arbeitet mit daran, dass Moabit für alte und neue Nachbar*innen attraktiver wird? Wer engagiert sich gegen steigende Mietpreise, damit Menschen ihren Kiez nicht verlassen müssen? Bitte meldet Euch mit einer kurzen Begründung für Euren Vorschlag hier: Verein für eine billige Prachtstraße – Lehrter Straße, c/o B-Laden, Lehrter Straße 30, 10557 Berlin, Tel. 397­ 52 38, mail: b-laden[at]lehrter-strasse-berlin[.]net
Einsendeschluss ist der 28. Januar 2022

Der Preis selbst ist eher eine symbolische Anerkennung, persönlich abgestimmt auf den Preisträger bzw. die Preisträgerin.

Die Jury besteht aus Ingrid Thorius, der Tochter Klara Frankes, als Schirmfrau (ein Interview mit ihr in Englisch), und aus Ehrenamtlichen des Verbundes für Nachbarschaft und Selbsthilfe Moabit. Das sind der Moabiter Ratschlag e.V., die Selbsthilfe-, Kontakt- und Beratungsstelle SHK, die Nachbarschaftseinrichtungen des Frecher Spatz e.V., das SOS-Kinderdorf Moabit, das Familienzentrum Moabit Ost, das Meerbaum-Haus und der Verein für eine billige Prachtstraße – Lehrter Straße e.V.

Die Preisverleihung findet am 6. März 2022 um 16 Uhr in der Kunststätte Dorothea – Dorotheenstädtische Buchhandlung in der Turmstraße 5 statt. Es gibt Kaffee und Kuchen (gegen Spende) und auch ein kleines Kulturprogramm.

 

4 Kommentare auf "Klara-Franke-Preis 2022 für Irene Stephani und Mechthild Merfeld"

  1. 1
    K. S. says:

    Was ist eigentlich aus der Aktionswoche „Moabit liest“ mitsamt der „langen Nacht des Buches“ geworden?

  2. 2
    Schardt says:

    Hallo,

    Ich würde mich gerne für die „Klara Franke Preisverleihung“ am 6.3.22 anmelden!
    Danke!
    Gruß U.Schardt

  3. 3
    Susanne says:

    @ K.S.,
    leider ist das Projekt organisiert von StadtMuster nach Ende der Förderungen ausgelaufen. Einzelne Lesungen werden aber noch im Rahmen anderer Projekte jetzt von SmArt GbR realisiert.
    http://stadtmuster.de/referenzen.html und http://stadtmuster.de/aktuelles.html

    @ Schardt,
    eine Anmeldung ist nicht nötig! Voraussichtlich findet die Preisverleihung wie im Artikel angegeben in der Kunststätte Dorothea statt – außer es gibt neue pandemiebedingte Einschränkungen, mit denen zurzeit ja eher nicht zu rechnen ist.

  4. 4
    Susanne says:

    Die Jury hat getagt und sich für 2 Personen als Klara-Franke-Preisträger*innen entschieden. Welche das sind, wird aber erst bei der Preisverleihung am 6. März in der Kunststätte Dorothea – Dorotheenstädtische Buchhandlung verraten.

    Alle für den Preis vorgeschlagenen Personen und diejenigen, die sie vorgeschlagen haben, sind zur Preisverleihung eingeladen, natürlich auch die Jury und Einrichtungen des Verbundes – vor Ort gibt es 40 Plätze. Das ganze findet mit Maskenpflicht statt, außer zum Kuchenessen und Kaffeetrinken natürlich.

    Der Verbund für Nachbarschaft und Selbsthilfe bittet alle, auch geimpfte und geboosterte Menschen, einen tagesaktuellen Test mitzubringen (für den Notfall sind einige Tests vorhanden).
    https://moabitonline.de/events?event_id=24820

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