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Der Moabiter Kinderhof

Alles was Kinderherzen erfreut – von Bolzen, Hämmern bis Karnickel-Streicheln

„Spiegel“ heißt das Kaninchen auf ihrem Arm. Irene Stephani findet, dass es wegen seines geteilten Gesichts so heißen sollte. Es ist eines von fünf Jungtieren, die im April geboren wurden. Sein Zuhause, das Kaninchengehege im Moabiter Kinder-Hof, konnte erst kürzlich durch die finanzielle Unterstützung seitens der Kinder- und Jugendjury in Mitte erweitert werden. Irene Stephani ist Mitbegründerin des Moabiter Kinder-Hofes in der Seydlitzstraße am Rande des Fritz-Schloss-Parks. Als sie Anfang der 90er Jahre mit ihrem damals kleinen Sohn durch Moabit spazierte, fand sie, dass für Kinder hier im Stadtteil etwas fehlte. Es gab zwar Spielplätze, aber diese waren „so fertig, also nur mit statischen Geräten, dass sich die Kinder bald nicht mehr für sie interessierten.“ Kinder lieben Abwechslung und dass immer etwas Spannendes passiert. Ein Abenteuerspielplatz, auf dem sie eigene Ideen entwickeln und umsetzen können und auch lernen, mit Konflikten umzugehen, das wär’s!

Irene Stephani, eine gebürtige Wilmersdorferin, die seit 1988 in Moabit wohnt, traf auf Eltern, die ähnlich dachten. Mit ihnen zusammen konnte sie den Kinder-Hof auf dem Gelände des Gartenbauamts einrichten. Im heutigen Hasenstall, einer Holzhütte, waren zu dieser Zeit Gartenbaumaschinen untergebracht, und im Steinhaus konnten sich die Parkmitarbeiter umziehen und duschen. Das Gartenbauamt übergab das Gelände an das Jugendamt, was es wiederum dem gerade gegründeten Verein Stadtteilgruppe Moabit e.V. von Irene Stephani zur Verfügung stellte. Auf dem etwa 1.600 Quadratmeter großen Areal lagerte damals ein riesiger Haufen aus Kompost und Müll aus dem Park, erinnert sich Irene Stephani. „Der wurde verteilt, so dass wir hier sehr guten Boden haben, aber ab und zu auch viele Jahre später immer noch Müll zum Vorschein kommt.“ Die Vorbereitungen zogen sich hin, eröffnet werden konnte der Abenteuerspielplatz erst im April 1997.

In der Zwischenzeit war die Gruppe um Irene Stephani bereits an anderen Orten aktiv, um zu zeigen, was mit Kindern alles möglich ist. In der Lehrter Straße, wo sich heute das SOS-Kinderdorf befindet, wurde das Bauen mit Lehm vorgestellt und mit Kindern gebastelt. Das erste Jahr auf dem neuen eigenen Areal musste der Verein zunächst komplett ehrenamtlich abdecken, da es damals keinerlei Förderung gab. Im zweiten Jahr gab es zur Unterstützung einige ABM-Kräfte durch das Arbeitsamt, in den späteren Jahren hießen die Leute dann SAM-Kräfte und 1-Euro-Jobber. Zusätzlich begann das Bezirksamt, den Moabiter Kinder-Hof mit Honorarmitteln zu fördern, was verschiedene Ferien- und Hausaufgabenprojekte ermöglichte. Heute ist alles viel besser oder „es ging schon mal schlechter, wie der Berliner sagt“, lacht Irene Stephani.

Auf dem Abenteuerspielplatz arbeiten derzeit zwei Festangestellte: eine Erzieherin und ein Erzieher, jeweils mit einer Dreiviertel-Stelle. Hinzu kommen sechs Honorarkräfte, die den Kindern und Jugendlichen zahlreiche Angebote offerieren. Und damit nicht genug, denn durch das Quartiermanagement Moabit-Ost wird eine zusätzliche Honorarstelle für das Projekt „Gemeinsam Lernen“ bis Ende 2018 gefördert. Zwischen 19 und 59 Jahre alt sind die Frauen und Männer des Kinder-Hof-Teams. Ihre Angebote reichen von Sportlichem wie Fußballtraining auf dem benachbarten Bolzplatz, Klettern an der Kletterwand und der Fahrradausleihe bis zum Hüttenbauen und natürlich viel Gärtnerischem: vom pflanzen und säen bis zum ernten. Höhepunkte sind natürlich die samtweichen Vierbeiner sowie alles, was in der Werkstatt passiert. Im Bereich Holzbearbeitung wird gesägt, gehämmert und gefeilt, um Häuschen für die Karnickel zu bauen, Namensschilder für Türen und Blumenbeete oder auch Schatzkästchen für Zuhause. Im Bereich Metallbearbeitung soll aktuell ein Windrad aus einem 26-Zoll-Vorderrad eines Pedelecs mit einem Nabenmotor als Generator gebaut werden. Damit soll dann autark die Beleuchtung für den Eingang betrieben werden. Auch Kreatives ist dem Kinderhof sehr wichtig. Hier basteln, malen und arbeiten die Kinder viel mit Recyclingmaterialien. So stellen sie z.B. Geldbörsen aus Getränkeverpackungen her oder Schmuck aus Altmaterialien und in diesem Jahr auch fantasievolle Kostüme wie „Weltraummonster“. Diese spacigen Verkleidungen kamen Mitte August zum Einsatz, als das alljährliche Kinder-Hof-Fest diesmal als eine „Reise durch die Galaxien“, also eine Art „Alienparty“, gefeiert wurde. Auch die Themen Kochen und gesunde Ernährung werden den Kindern nahe gebracht. Einmal pro Woche wird zusammen mit rund 20 Mädchen und Jungen gekocht. Dazu gibt es Lebensmittel von der Berliner Tafel. „Letzten Donnerstag gab es Pizza und Kartoffeln und Quark. Außerdem haben wir eine Gemüsesuppe vorbereitet, die wir dann am Freitag über dem Lagerfeuer erwärmt haben.“ 

Im Sommer kommen jeden Nachmittag – geöffnet ist immer von 13.30 bis 18 Uhr  –  rund 30 Mädchen und Jungen zwischen 7 und 13 Jahren vorbei, im Winter sind es im Durchschnitt 20 Kinder pro Tag. Im Juni und Juli 2018 öffneten Irene Stephani und ihr Team probehalber erstmals abends eine Stunde länger, was wegen des sehr warmen und sonnigen Sommers sehr gut ankam. Diese verlängerte Öffnungszeit war durch eine Aufstockung des Budgets durch das Bezirksamt Mitte möglich. „Das gab uns allen hier Auftrieb, so dass wir gern jeden Sommer länger öffnen würden.“ Irene Stephani als Vorsitzende des Trägervereins Stadtteilgruppe Moabit e.V. wirkt hier übrigens seit Jahren ehrenamtlich. Auch wenn sie die Abrechnungen und andere Verwaltungstätigkeiten von zuhause aus erledigt, kann man sie fast jeden Tag – und wenn es nur mal kurz ist –  auf dem Kinder-Hof antreffen. Es ist schließlich „ihr Baby“, und mit dem Team spricht sie am liebsten persönlich. Von Beruf ist sie Gymnasiallehrerin. Die Studienrätin unterrichtete zuletzt am Berlinkolleg in der Turmstraße, qualifizierte sich weiter in Schulsozialarbeit und arbeitet aktuell im Bereich der Lehrerfortbildung. Nach Moabit zog sie Ende der 80er Jahre zusammen mit ihrem Mann, weil es hier damals sehr günstige Wohnungen in zentraler Lage gab. Die Lage ist ihr auch heute wichtig: „Wir brauchen kein Auto, weil viele kulturelle Einrichtungen zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit den Öffentlichen gut erreichbar sind. Außerdem gibt es viele Orte zur Naherholung wie den Großen Tiergarten und zahlreiche andere Grünflächen. Das alles kommt unserer naturnahen Lebensweise sehr entgegen.“ 

Für die Herbstferien haben sie und ihre Kollegen natürlich herbstliche Aktivitäten geplant, von Ausflügen über Bastelnachmittage und ein Kickerturnier bis zum sehr beliebten Lagerfeuer. Und in der mittelfristigen Zukunft soll alles noch besser werden. Der Kinder-Hof plant, mit Hilfe von Geldern aus dem Programm „Soziale Stadt“ das Steinhaus durch einen größeren Neubau zu ersetzen. Diesen stellt sich Irene Stephani durchaus als „Treffpunkt für den Stadtteil, also auch als Begegnungszentrum für Erwachsene“ vorstellen. Zudem soll das Außengelände umgestaltet werden, so dass dann ein neuer Eingang an der Ostseite des Grundstücks entsteht. Klingt sehr gut, auch wenn die Planungen und Genehmigungen noch einige Zeit in Anspruch nehmen werden und bestimmt viele Anstrengungen bedeuten. Baubeginn wird wohl erst 2021 sein, schätzt Irene Stephani.

Kontakt: Moabiter Kinder-Hof, Seydlitzstraße 12, 10557 Berlin. 

Kinderladen- und Hortgruppen nach Anmeldung: Tel.: 49 (0)30 394 66 62, E-Mail: moabiter.kinderhof@berlin.de

Weitere Informationen auf http://www.moabiterkinderhof.de

Text: Gerald Backhaus, Fotos: Gerald Backhaus, Cornelia Aporius, Reinhold Kahlki-Stephani

Zuerst erschienen auf der Webseite des Quartiersmanagements Moabit-Ost: https://www.moabit-ost.de/aktuelles/2018/kinderhof/

Ein Kommentar auf "Der Moabiter Kinderhof"

  1. 1
    Laura says:

    Ich glaube ich komme mit meiner Tochter 8 Jahre alt mal da vorbei zu gucken und so gucken was da eigentlich so schönes gibt’s meine Tochter liebt Kaninchen also glaube ich das wäre für meine Tochter was.

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