So können Sie mitmachen!

Rathenower Straße 23: Hausverkauf mit Mann, Frau, Maus

Mieterinnen und Mieter fordern den Bezirk Mitte auf das Vorkaufsrecht auszuüben

Vor etwa drei Wochen haben sie durch ein Schreiben der Mieter­beratung Prenzlauer Berg, die auch für die Milieu­schutz­gebiete in Mitte zustän­dig ist, erfahren, dass ihr Haus schon wieder verkauft wurde. Preis und Käufer unter­liegen dem Daten­schutz. Weil das Haus im Milieuschutzgebiet „Bir­ken­straße“ liegt arbeitet das Bezirks­amt eine Abwen­dungs­ver­ein­barung aus und prüft parallel das Vorkauf­srecht (Erklärfilm /Milieuschutz Tutorial). Mit der Abwen­dungs­vereinbarung soll sich der Käufer verpflichten bestimmte teure Moder­ni­sie­rungs­maßnahmen und Umwandlung in Eigen­tums­wohnungen für eine bestimmte Zeit zu unter­lassen. Die Zeit für den Vorkauf ist denkbar knapp – nur zwei Monate bis die Finan­zierung stehen muss. Zuerst werden städtische Wohnungs­bau­gesell­schaften gefragt, die jedoch bei den heute üblichen extrem über­höhten Preisen oft abwinken. Als sogenannte „Dritte“, die für den Bezirk die Häuser erwerben, kommen aber auch Genossen­schaften oder Stif­tungen in Frage.

Die erste Pressemitteilung des Aktions­komitees R23, an die der Titel dieses Artikels angelehnt ist, kann auf der Webseite des Netzwerks „Zusammen für Wohnraum“ Wedding/Moabit nach­ge­lesen werden. Einen Kurz­bericht über die Aktion am 24. August, als Mieter­*innen vor dem Haus und im Hof Trans­parente malten und mit Unter­stützung der Ini­tia­tive „Wem gehört Moabit?“ und des Runden Tischs gegen Gentri­fizierung an einen Info­stand mit Kaffee und Kuchen etwa 70 Exemplare an Nachbar­*innen verteil­ten, gibt es auf der  Nach­richten­seite moabit.net. Auch beim Perlen­Kiez­fest haben Mieter­*innen über ihre Situation informiert und um Unter­stützung gebeten.

Die Rathenower Straße 23 ist ein typischer Altbau mit Vorderhaus, Seitenflügel und Quer­gebäude. Von den insgesamt 33 Wohnungen stehen acht leer. Sechs der leerstehenden Wohnungen sind aber bereits saniert. Von den 25 Mietparteien mit etwa 45 Bewohnern sind etwa ein Dutzend im Rentenalter. Es gibt fünf Familien mit Kindern, fünf Paare ohne Kinder, zwei Witwen, 14 Singles und ein knappes Dutzend Kinder. Viele Mietparteien leben schon sehr lange hier: 20, 30, 40, 50, 60 Jahre, eine Familie bereits seit 1918 aktuell mit der dritten und vierten Generation. Daraus ergibt sich eine sehr große Spanne der aktuellen Mieten und die sehr hohe Verdrängungsgefahr der langjährigen Mieter*innen, die stark im Kiez verwurzelt sind. Selbst die Mieterberatung sagte: „ein Paradebeispiel der Verdrängung“.

Im letzten dreiviertel Jahr trafen sich die Mieter*innen bereits mehrere Male zu Hausversammlungen, einmal sogar mit einem der beiden Eigentümer von der Rathenower 23 GbR, Wolfgang Köhnk, CEO der Pickens Selfstorage, die das Haus 2014 gekauft hatten. Doch ging es dabei um Modernisierung. Das Haus hat durchaus Instand­setzungs­bedarf, so sind viele Keller feucht und der unterkellerte Hof rottet auch vor sich hin. Die Modernisierungsankündigungen jedoch, die im September 2018 ins Haus flatterten, beinhalten nur am Rande die dringend notwendigen Instand­haltungs­maß­nah­men, sondern sehr umfassende Bau­maßnahmen wie Anbau von zwei Bal­konen, die die Mieter*innen gar nicht wünschen, eine zentrale Heizungs­anlage, neue Elektro­anlagen, neue Wasser- und Abwasser­stränge, den Anbau von Fahr­stühlen, die nur auf der halben Treppe anhalten können usw. Das teil­weise noch bewohnte Dach­geschoss im Vorderhaus sowie die Dach­geschosse auf Seiten­flügel und Hinter­haus sollen komplett abge­rissen und drei große Luxus­dach­wohnungen mit Terrassen auf allen drei Gebäude­teilen neu errichtet werden. Mit dem Bezirks­amt wurde über die Geneh­migung ver­handelt und, obwohl die kiez­spezi­fischen Verord­nungs­mieten die Umlage nach Moderni­sierung begrenzen, hätten die Auf­schläge durch Moderni­sierung­sumlage die Mieten für langj­ährige Bewohner*innen teil­weise mehr als ver­dop­pelt. Härte­fall­anträge wurden einge­reicht. Der Gerüst­aufbau war schon für November 2018 und dann noch einmal für Februar 2019 ange­kündigt, aber erst im Frühjahr kam das gemein­same Treffen zustande, dafür aber keine Einigung mit dem Dach­geschoss­bewohner.

Mieter­*innen nahmen Kontakt auf mit Mieter­*innen der Karl-Marx-Straße 179 in Neukölln, ein weiteres Haus der­selben Eigentümer, das bereits Presse und Politik beschäftigt hat, u.a. kam es durch Beschädigung der Gasleitung wegen Abrissarbeiten zu wochenlangem Ausfall von Heizung und Kochmöglichkeiten. Als nächstes musste dort ein Abrissantrag der CDU für das teilweise bewohnte Haus abgewehrt werden, denn auf einem hinteren Grundstücksteil sind Neubauten geplant.

Aber zurück nach Moabit:
Unterstützt die Mieter*innen der Rathenower Straße 23, damit der Bezirk sein Vorkaufsrecht ausübt!
Das hat er in der Rathenower Straße 50 und 59 auch schon getan, doch ist bei der Nr. 50 nach Widerspruch eine Klage anhängig und bei der Nr. 59 ein Widerspruchsverfahren. Die Gotzkowskystraße 33 wurde vorgekauft, bei der Rostocker Straße 27, Wiclefstraße 62-63, Beusselstraße 68, Stephanstraße 9 und der Waldstraße 37 standen keine „Dritten“ zur Verfügung. Für die Emdener Straße 23, Dreysestraße 6 und Beusselstraße 48 wurden Abwen­dungs­ver­ei­bar­ungen unterschrieben. Über den Ausgang weiterer Prüffälle sind wir nicht informiert.

Kommt zur Bezirksverordnetenversammlung am 5. September in die Karl-Marx-Allee 31. Hier stellt die Rathenower 23 eine Bürgeranfrage.

Fotos: Jürgen Schwenzel, Susanne Torka, Ralf G. Landmesser

Kontakt zum Aktionskomittee R23: moabits@power.ms

Nachträge:
Der Film der Mieter*innen „Die R23 bleibt!“

In der letzten Woche vor Ablauf der Vorkaufsfrist ist die Zitterpartie immer noch nicht zu Ende. Hier die 4. Pressemitteilung.

Am Samstag, 28. September 16-20 Uhr beim Ortstermin gibt es Performances, Lesung, Musik und Film

Trotz Unterstützung durch Bezirks- und Landespolitik war keine Wohnungsbaugesellschaft zum Vorkauf bereit! Bericht im MieterEcho Online.

Umwandlung in Eigentumswohnungen wurde genehmigt / musste genehmigt werden (wenn Eigentümer versichert die ersten 7 Jahre nur an Mieter zu verkaufen).

2021 haben die Bauarbeiten im Dachgeschoss, Abbau des alten Daches und Neubau von Dachgeschosswohnungen mit Terrasse im Hinterhaus begonnen. Es wurde keine Dachüberbauung mit Gerüst erstellt. In beiden betroffenen Wohnung im 4. OG gibt / gab es an verschiedenen Stellen Wassereinbrüche, herunterrieselnden Putz und Schimmelgefahr.
Eine Dringlichkeitsanfrage wurde in der BVV gestellt (Drs. 3313/V vom 19.8.21, noch nicht beantwortet) und ein Antrag auf Baustopp (Drs. 3315/V vom 30.8.21). Beachtet dazu auch die Kommentare ab Nr. 16.

22 Kommentare auf "Rathenower Straße 23: Hausverkauf mit Mann, Frau, Maus"

  1. 1
    Netzgucker says:

    Hier ein persönlicher Beitrag in der ZEIT von Elena Poeschl, die für die Mietergemeinschaft Boethie in Neukölln gekämpft hat:
    https://www.zeit.de/z2x/2019-08/wohnungsmarkt-investor-elena-poeschl-kampf/komplettansicht

    … und eine Liste der Vernetzung, allerdings ein bisschen Kreuzberg-Neukölln lastig:
    https://boethie.noblogs.org/vernetzung/

  2. 2
  3. 3

    Hier gibt es ein Flugblatt des Runden Tischs gegen Gentrifizierung in Moabit für Häuser, die in den Moabiter Milieuschutzgebieten verkauft werden.
    Wenn wir rechtzeitig Bescheid wissen, verteilen wir es! Hat zur Zeit grade nicht geklappt, aber, wer mag, druckt es einfach aus und gebt es Mietern und Mieterinnen der Perleberger Straße 11 und Waldstraße 42 zur Kenntnis:
    https://wem-gehoert-moabit.de/wp-content/uploads/2019/09/Flugblatt_2018-12_Milieuschutz-Verkauf.pdf

  4. 4
    Netzgucker says:

    Das Beispiel Leinestraße 8 – städtische Wohnungsbaugesellschaften können/wollen nicht mehr, aber … Vorkaufsrecht und Mietendeckel ….
    https://www.rbb-online.de/abendschau/videos/20190912_1930/vorkaufsrecht-und-mietendeckel.html
    1 Woche im Netz, danach:
    https://www.youtube.com/watch?v=pNtoSEmDZVo&feature=share

  5. 5
    Susanne says:

    Mieter*innen der Rathenower Straße 23 wollen bleiben, schaut Euch den Film an oben im Nachtrag und hier:
    https://vimeo.com/359959543

  6. 6
    Mieter-Aktivist says:

    … immer noch Zitterpartie, hier die 4. Pressemitteilung und am Samstag, 28. September 16-20 Uhr beim Ortstermin Performances, Lesung, Musik und Film
    https://www.moabit.net/11833
    https://moabitonline.de/events/ortstermin-rathenower-23-performances-lesung-musik-und-film-zum-spekualtionsobjekt-und-der-bewohnerinnen

  7. 7
    Susanne says:

    Der Vorkauf ist gescheitert, hier ein Bericht im MieterEcho online:
    https://www.bmgev.de/mieterecho/mieterecho-online/vorkauf-in-der-rathenower-strasse/

  8. 8
  9. 9
    Radiohörer says:

    Im Deutschlandfunk Kultur ein interessanter Beitrag zum Vorkaufsrecht in Berlin:
    https://www.deutschlandfunkkultur.de/kampf-um-bezahlbare-mieten-berlin-nutzt-immer-oefter-das.1001.de.html?dram:article_id=461282

  10. 10
  11. 11
    Nachbarin says:

    Demo am Sonntag, 14.6. gegen Verdrängung, die Waldenserstraße 9 ist verkauft – für Vorkauf durch den Bezirk!!
    Mehr Infos:
    https://twitter.com/waldenser9
    Demo-Einladung:
    https://moabitonline.de/events/demo-gegen-verdraengung-waldenserstrasse-9

  12. 12
    R@lf says:

    Des Dramas letzter Akt wird eingeläutet: Für die Rathenower 23 ist die Zerlegung in Eigentumswohnungen beantragt.

  13. 13

    Da hat sich gerade letzte Woche jemand von einem Haus in einem Weddinger Milieuschutzgebiet bei uns gemeldet, denen es genauso geht.
    Am besten gleich Kontakt aufnehmen mit den Netzwerk 200 Häuser:
    https://www.200haeuser.de/
    Aus Moabit ist das Bundesratufer 12 dabei!
    Sie haben viele wichtige Informationen auf ihrer Webseite zusammengefasst:
    https://www.200haeuser.de/informationen-glossar/
    … und die Arbeitsgruppe Eigenbedarf kennt keine Kündigung (E3K) von Wem gehört Kreuzberg:
    http://wem-gehoert-kreuzberg.de/index.php/bleibe-n

  14. 14
    Klabauter says:

    Die Umwandlung in Eigentumswohnungen des famosen „Milieuschutzhauses“ Rathenower Str. 23 ist erfolgt – sie musste laut gültiger Gesetzeslage genehmigt werden. Das vorläufige Ergebnis dieser Rochade sind inzwischen zwei tote Altbewohner und zwei Altbewohnerinnen mit Schlaganfall (beide überlebt). Das vorläufige Ergebnis dieser Rochade könnten zwei möglicherweise beschleunigt verstorbene, schon zuvor kranke Altbewohner und zwei Altbewohnerinnen mit Schlaganfall (beide überlebt) sein. *(siehe Anm.)
    Jetzt stehen am Hinterhaus schon die Gerüste und mit dem Dachabriss soll umgehend begonnen werden, um unter dem neuen Dach dann luxuriöse Neubau-Eigentumswohnungen zu schaffen. Da anscheinend geplant ist, erst das Hinterhaus und den Seitenflügel zu sanieren und dann erst das Vorderhaus, ist mit jahrelangen Bauarbeiten zu rechnen, von denen die Bestandsmieter*innen alle, aber in unterschiedlichem Ausmaß betroffen sein werden. Lärm und Dreck für Alle ist natürlich inclusive. Wie das die älteren, ruhebedürftigen Mieter*innen überstehen sollen, kann sich jede*r ausmalen.
    Der Baustellenbeginn erfolgte fast überfallmäßig nach wenigen Wochen nichtssagender Ankündigung. Mit Auskünften über den Bauverlauf ist die Hausverwaltung Schön & Sever mehr als sparsam.

    *Hinweis d. Redaktion v. 20.7.21: Klabauter bat am 20.7.21 um Änderung der Formulierung zu seiner Aussage von zwei toten Altbewohnern, die vorherige Aussage ist durchgestrichen markiert, die neue der Satz dahinter. Klabauter dazu: „Ich habe nämlich inzwischen erfahren, dass der eine Mann Krebs im Endstadium hatte (zu spät erkannt) und der andere war schon lange schlaganfallkrank und lag.“

  15. 15
    Klabauter says:

    Wie wir aus ungewöhnlich gut informierten Kreisen im Miljöh-Schmutz erfahren, haben – pünktlich zum Baubeginn – die Mieter*innen der R23 eine Mieterhöhung von maximalen 15% verpasst bekommen. Es lebe die Freie Marktwirtschaft!

  16. 16
    Ralf G. Landmesser says:

    Stand heute, 20. August 2021, ist das Dachgeschoss des Gartenhauses Rathenower Str. 23, nach einem unangekündigten und nervenaufreibenden Express-Abriss, vollständig abrasiert. Bei den Abrissarbeiten fiel mir buchstäblich ein Stück Küchendecke auf den frisch gewaschenen Kopf. Nur die Kamine und Treppenaufgänge HH und SF ragen noch einsam und arg angeknabbert aus der planen „Dach“fläche hervor. Unsere Zimmerdecken sind nun das schweißbahnbelegte „Notdach“, das anfangs so löchrig und unvollständig war, dass bei uns und der Nachbarwohnung im 4. OG Hinterhaus in vier Zimmern Regenwasser eingedrungen ist – in einem Fall direkt aufs Bett, jeweils am späten Abend. Die Hausmeisterei Wuth-Bau war nicht erreichbar – es gab nicht einmal einen Anrufbeantworter. Inzwischen wurde peu a peu nachgebessert und wir leben nun nach dem „Prinzip Hoffnung“.
    Auch ein amtlich vorgeschriebenes Bauschild existierte nicht, so dass man nicht einmal die ausführenden Firmen anrufen konnte, deren Name nicht preisgegeben wurde – die Nennung des Firmennamens sei nicht erwünscht.. Die zur Prüfung aufgeforderte Bauaufsicht Mitte fand das alles erstaunlicher Weise in Ordnung.
    Üblicher Weise wird bei einem solchen Totalabriss das Dach mit einem geschlossenen Gerüstdach überbaut und geschützt. So war es auch von Voreigentümer Köhnk angekündigt. Das hat sich der neue Investor „Almafa Immobilien Neunundreissig GmbH“, mit noblem Sitz am KuDamm 136, an unserem Milieuschutzhaus gespart. Auf unsere Kosten. Die Hausverwaltung Schön & Sever übt sich derweil in Schönreden.
    Nun harren wir des nächsten Bauabschnitts und der nächsten angeheuerten Firmen. Diese sollen auf unsere bescheidenen Wohnungen, die nun als Baugrundstück für eine sicher millionenteure Eigentums-Immobilie dienen, einen penthouseartigen Neubau mit Aufzug und Dachterrasse setzen. Wir kennen die genehmigten Pläne vom Voreigentümer Köhnk. Nach Auskunft der Bauaufsicht Mitte wird die Baustaktik „von einem unabhängigen Prüfingenieur für Standsicherheit überwacht. Dessen positiver Prüfbericht liegt hier vor.“ Da kann man nur hoffen, dass seriös geprüft wurde. Denn das Gartenhaus hatte im Zweiten Weltkrieg einen Bombentreffer und war teilzerstört, wie alte Mieter*innen erzählten…
    Und nach dem allen, sollen die Dachgeschosse erst des Seitenflügels und dann des Vorderhauses in dieser Reihenfolge abgerissen und auf gleiche Art und Weise bebaut werden. Der Rohbau (!) des Neubaus auf dem Hinterhaus soll bis Jahresende 2021 fertig sein.

  17. 17
    BVV-Beobachter says:

    Gestern wurde bei der BVV eine Dringlichkeitsanfrage zur Unterstützung der Mieter*innen verabschiedet:
    https://www.berlin.de/ba-mitte/politik-und-verwaltung/bezirksverordnetenversammlung/online/vo020.asp?VOLFDNR=10866

  18. 18
    Netzgucker says:

    Aktueller Artikel bei Moabit.net:
    https://www.moabit.net/14722

  19. 19
    Ralf G. Landmesser says:

    Und wieder steht uns in der Rathenower Str. 23, Gartenhaus eine feucht-„fröhliche“ Nacht bevor: in unserer Wohnung unterm „Dach“ juché tropft wieder lustig das Wasser von der Decke – aufs Hochbett zu Mitternacht. Und zwar an einer NEUEN Stelle! Auch die Nachbarn nebenan erfreuen sich eines neuen nassen Flecks an ihrer Decke, die bald so braun gefleckt ist, wie eine Holsteiner Kuh.
    Bei Schön & Sever’s Hausmeisterei Wuth Bau ist natürlich, wie gehabt, niemand bereit, an eines der beiden „Notfall“-Telefone zu gehen und die auf dem „Bauschild“ von Bauleiter Witt, stimmt erst gar nicht.
    Seit Montag ist eine neue Baufirma aufgetaucht, die nun auf dem „Dach“ herummauert. Offenbar war die Freilegung des Baugrundes wichtiger, als der Anspruch der Mieter*innen, die darunter wohnen, auf eine intakte und trockene Wohnung. Wir dürfen gespannt sein, wie dieser „Baukrimi“ weitergeht.
    Hallo Presse: hier gibts Sensatiönchen! Oder gehört das alles längst zum Alltag in Berlin, Kolleg*innen?

  20. 20
    Ralf G. Landmesser says:

    Auch wenns Euch vielleicht langweilt: die DURCHNÄSSUNG UNSERER WOHNUNG geht weiter: als ich Donnerstagnacht zu Freitagnacht 27. August 2021, nach einer Regen-Fahrradfahrt selbst naß wie ein Hund, nach Mitternacht nach Hause kam, fand ich wenig später an diesem frühen Morgen schon wieder neue Nässeflecken bei meinem Kontrollgang durch die Wohnung. Wir haben zwei Wohnungseingänge und in jedem war ein neuer großer Wasserfleck an der Decke, der im HH schon die Wand herunter Laufspuren zeigte und sich in die Küche fortsetzte, klatschnass, versteht sich. Heute, Samstagmorgen, beim genauen Nachkontrollieren, fand ich hinter unseren verschlossenen Hängebodentüren zwei weitere großflächige Wasserflecken – naß, wahrscheinlich von der Nacht Donnerstag auf Freitag.

    Wir haben nun alleine in unserer Wohnung sieben (7) Regenwassereintritte in zwei Wochen und ein Stück heruntergefallener Küchendecke, dazu einen dünnen Riß in einer Wand, Risse in einer Zimmerdecke und Putz der in einem Eingang aus der Decke gefallen ist. Dazu schätzungsweise mindestens ein Pfund Putzbrösel und Sand, die in der Toilettenecke heruntergerieselt sind (mehr liegt wahrscheinlich noch auf dem Hängeboden hinter Kartons). Ausserdem ist in vielen Teilen der Wohnung feiner Dreck, Staub und Putz heruntergerieselt.

    Die HV Schön & Sever hat es also mit ihrer Bau-Truppe geschafft, innerhalb von zwei Wochen unsere bislang intakte und 36 Jahre NIE von Regenwassernässe durch Dachleckagen betroffene Wohnung herunterzurocken… und wir sind erst am Anfang der Baustelle!
    Unsere Wohnungsnachbarn 4. OG HH links könnten Ähnliches erzählen.

    Es wird Zeit gegen diese menschenverachtende Baupraxis, die leider in Berlin keinen Seltenheitswert hat, etwas Entscheidendes zu unternehmen. Im September wird gewählt. Wer die Parteien der Immobilienlobby wählt, trägt Mitverantwortung für die in Berlin grassierende Verantwortungslosigkeit und die Vertreibung ganzer Kiezbevölkerungen.

    Das Landgericht Hamburg urteilte übrigens in einem ähnlichen Fall auf 80% zulässige Mietminderung:
    https://www.kostenlose-urteile.de/LG-Hamburg_307-S-13595_80-Prozent-Mietminderung-bei-Bauarbeiten-zu-Dachgeschossausbau.news10891.htm

  21. 21
    Taylan says:

    Zu der Situation in der Rathenower Straße 23 habe ich mit der grünen Fraktion in der BVV eine Dringlichkeitsanfrage in der letzten BVV eingebracht Drs 3313/V (noch unbeantwortet):

    Mieter*innenvertreibung in der Rathenower Straße 23- was tut das Bezirksamt?

    Vorbemerkung: Das Haus Rathenower Straße 23 wurde im Rahmen des Vorkaufsrecht nicht durch eine landeseigene Wohnungsbaugesellschaft erworben, noch konnte eine Abwendungsvereinbarung unterzeichnet werden. Der Eigentümer des Gebäudes beginnt nun mit der Sanierung des Hinterhauses und plant die Aufstockung des Gebäudes mit wahrscheinlich hochpreisigen Wohnungen und geht dabei sehr rabiat vor. Das Dach wurde abgenommen, sodass Wasser in die Wohnungen im obersten Stockwerk eingedrungen ist. Hierzu fragen wir:

    1. Seit wann ist das Bezirksamt in Kenntnis über die Vorgänge in der Rathenower Straße 23 aufgrund von Beschwerden von MieterInnen?

    2.Was unternimmt die Bauaufsicht kurzfristig, um sicherzustellen, dass das Dach vor Regen gesichert wird, damit kein Regen mehr in die Wohnungen im obersten Stockwerk mehr eindringt?

    3. Warum kündigt die Bauaufsicht gegenüber den MieterInnen im Haus an erst nächste Woche in dieser Angelegenheit tätig zu werden und geht das Bezirksamt davon aus, dass es bis zum Termin mit der Bauaufsicht nicht regnen wird?

    4. Plant das Bezirksamt die Bauarbeiten kurzfristig stoppen zu lassen bis dargelegt wird, wie ein sicherer Bauablauf sicher gestellt wird, der sich nicht wie oben beschrieben zum Nachteil der MieterInnen im Gebäude auswirkt und wenn nein, warum nicht?

    Ebenso hat der Ausschuss für soziale Stadt der BVV Mitte auf meine Initiative einen Auschussantrag letzten Montag beschlossen. Das Bezirksamt hat zugesagt, sich um die Rathenower Straße 23 sofort zu kümmern laut Herrn Gothe.

    Drs 3315/V Rathenower Straße 23- Baustopp jetzt!

    Das Bezirksamt wird ersucht, kurzfristig (das heißt am besten noch diese Woche) die Bewohnbarkeit der obersten Geschosse der Rathenower Straße 23 sicher zu stellen und hierzu insbesondere folgende Anliegen umzusetzen:

    1. Für den Ausbau des Dachgeschosses ist ein Baustopp zu verhängen so lange die Punkte 2-4 nicht umgesetzt wurden.

    2. Der Eigentümer wird verpflichtet, kurzfristig das Dach so zu isolieren, dass kein Regenwasser mehr in die darunter liegenden Wohnungen gelangen kann sowie der Regen durch entsprechende Schrägen in der Dachpappe ablaufen kann und sich nicht auf dem Dach staut wie derzeit. Ebenso wird der Eigentümer verpflichtet, kurzfristig die abgebaute Regenrinne und die fehlenden Fensterbretter zu reparieren, damit der Regen entsprechend ablaufen kann.

    3. Für den Ausbau des Dachgeschosses soll das Bezirksamt mit dem Eigentümer einen Bauplan erstellen, durch welchen nachvollziehbar gemacht wird, wie Schäden am Gebäude durch eintretende Feuchtigkeit verhindert werden können.

    4. Das Bezirksamt wird ersucht, gegenüber dem Eigentümer darauf hinzuwirken, dass entsprechende Feuchtigkeitsschäden in den Wohnungen von MieterInnen auf Kosten des Eigentümers beseitigt werden sollen. Ggf.
    soll der Eigentümer hierfür MieterInnen während der Trockenzeit in anderen Wohnungen unterbringen.

  22. 22
    Ralf G. Landmesser says:

    Danke, Taylan Kurt (GRÜNE) und Steve Rauhut (Die LINKE) für Euren Besuch in unserem „Milieuschutzhaus“ und Euren Einsatz! Mit einiger Verspätung scheint nun auch die die SPD aufzuwachen: Annika Klose will uns demnächst auch besuchen und sich die Heimsuchung unserer Heime ansehen.

    Jetzt ist es gut drei Wochen her, dass ihr bei uns wart und es gab seitdem weitere Regenwassereinbrüche: bisher ist der Highscore insgesamt 11 bei uns und 4 bei unserer Nachbarwohnung im vierten OG HH – zusammen also 15! Mittwoch vor einer Woche lief es dann auch im dritten Stock bei unserem kranken Nachbarn durchs schrottreife Fenster rein, als das Regenwasser wie ein Bach die ohnehin durchnässte Fassade hinunterlief. Natürlich kam wieder niemand um abzuhelfen, es war ja später Abend, und wir kippten eimerweise reinlaufendes Wasser ins Klo. Immerhin wurden am nächsten Tag Planen über die Gerüste gehängt, um damit das Baustellenwasser abzuleiten. Und zwei Drittel unserer rückwärtigen Fenster zuzuhängen.
    Passiert ist ansonsten: NICHTS. Der prächtig blühende Schimmel in unserer Wohnung wurde nicht bekämpft (das haben wir inzwischen provisorisch mit einem unschädlichen Mittel selbst vornehmen müssen) und es wurden KEINE TROCKNER im besonders betroffenen Teil unserer Wohnung aufgestellt, wo die Aussenwand bis innen total durchnässt wurde.
    Statt dessen kam uns gerüchteweise zu Ohren, dass bei Schön & Sever & Co. über neue Wassereinbruchsstellen als „alt“ spekuliert wurde und dass wohl eine erfolgte Kostenkalkulation für ein Gerüstüberdachung der Baustelle „zu teuer“ ausgefallen sei. Da werden sich die Arbeiter aber freuen, wenn sie in Herbst und Winter in zugiger Höhe unter freiem Himmel arbeiten dürfen… und bei uns herrscht weiter Dachdichtigkeitslotterie!
    Überhaupt lässt man sich ansichts der herannahenden Schlechtwetterperiode erstaunlich viel Zeit. Ganze 3 Tage dieser Woche wurde gar nicht gearbeitet.
    Mitgeteilt wurde uns zudem von Herrn Sever, dass wir zur Sanierung unserer Schäden in der Wohnung „Baufreiheit“ herzustellen hätten. Dazu sind wir beiden alten Herren im demnächst 70. Lebensjahr aber weder fähig noch verpflichtet. Das ist Sache des Bauherrn.

    Einen Tag vor der entscheidenden Wahl in Stadt und Land sei daher dazu aufgerufen, das Kreuz an die richtige Stelle zu setzen: bei einer Partei, die diese skandalösen Verhältnisse nicht toleriert und Alles tut um diese endlich nachhaltig abzustellen !!! CDU-FDP-AfD sind das jedenfalls NICHT.

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