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Wohnraumvernichtung durch Bayer und Bezirksamt Mitte

Wieder Abriss von Wohnhäusern an der Fennbrücke

Abriss 2016

2010 schickte Bayer, damals noch Bayer Schering Pharma AG, den Mieter*innen der Häuser Fenn­straße 35-37 / Am Nord­hafen 1 (Straße wurde aufge­hoben und in tempo­räre Grün­fläche integriert) die Kündi­gungen, Gewerbe­miet­ver­träge wurden nicht verlängert. Einige wehrten sich mit Unter­stützung des Ber­liner Mieter­vereins. Bei der dama­ligen öffent­lichen Aus­le­gung des Bebau­ungs­­plans (B-Plans) 1-47 wurde gefordert, dass Bayer „bezahl­baren Ersatz­wohn­raum“ bauen muss. Dem folgte das Bezirks­amt damals nicht. Aber es gab wenigstens einen Sozial­plan. 

Abgerissen wurde 2016. Eine schicke Firmen­zentrale am Humboldt­hafen (MoabitOnline) sollte neu gebaut werden.  Bis heute ist dort eine Grün­fläche, nichts wurde gebaut! Bayer hatte die Pläne geändert und das schon Mitte 2011, aber den­noch den Abriss durch­gezogen (Links zu Artikeln im Mieter­Magazin s. MoabitOnline).

Jetzt werden die Häuser an der Tegeler Straße 2-5 ent­mietet und stehen auf Abriss. Nachbar*innen berichten, dass alle die Kündi­gung bekommen haben. Der Aufstel­lungs­beschluss für einen B-Plan 1-61 wurde schon am 16.6.2009 (!) gefasst mit dem Ziel eines Gewerbe­gebietes an dieser Stelle. Aber bis jetzt ist noch nicht an diesem Plan weiter­gear­beitet worden (Liste B-Pläne Mitte, unter dem Link bei Sach­daten geht es zum Inhalt, hier u.a. Datum Auf­stel­lungs­beschluss). Die Abtei­lung Stadt­ent­wick­lung ver­tröstet: sie würden noch auf die Pläne des Pro­jekt­ent­wicklers von Bayer warten. Vor­raus­sicht­lich solle die früh­zeitige Bürger­betei­ligung aber noch in 2021 statt­finden. In dieser zukünftigen Planung ist aber an der Ecke insgesamt Gewerbegebiet vorgesehen. Also sind auch die Häuser Tegeler Straße 6 und 7 sowie Fennstraße 33 und 34 bedroht.

Also Ent­mietung und Abriss jetzt schon in voraus­eilendem Gehorsam? Hier wird günstiger Wohn­raum mit Hilfe des Bezirks­amts vernichtet!

Ramona Reiser, Stadträtin für Jugend, Familie und Bürger­dienste, erklärte heute bei der Bürger*innen­sprech­stunde, „Negativ­bescheide“ seien bereits aus­ge­stellt. Es brauche nicht ein­mal eine Abriss­genehmigung, da die Wohn­häuser in einem sog. „beschränk­ten Arbeits­gebiet“ laut Baunutzungs­plan liegen, in dem Wohnen nicht erlaubt ist. Das hatte man vor mehr als 100 Jahren, als die Wohn­häuser gebaut wurden, eben gerade oft auch in der Nähe der Arbeits­plätze, anders gehand­habt. Auch im süd­lichen Bereich der Lehr­ter Straße standen die Wohn­häuser Lehrter Straße 6-22 in einem beschränkten Arbeits­gebiet, waren also illegal. Dort aller­dings wurde bereits in den 1980er Jahren der Versuch unternommen sie durch einen B-Plan zu legali­sieren, erneut ab 2013 als Misch­gebiet, aber auch dieser B-Plan 1-91B ist wegen „Abwägungs­fehlern“ immer noch nicht fest­gesetzt.

Wohn­häuser in beschränk­ten Arbeits­gebieten gibt es in Mitte an vielen verschie­denen Stellen. Hier ist das Bezirks­amt dringend aufge­fordert zu handeln und diese Wohn­häuser durch B-Pläne zu schützen. Es geht nicht an, dass erst interes­sierte Investoren die Bau­leit­planung in die Hand nehmen. Sie ist schließlich das wichtigste Instrument für die Lenkung der städte­bau­lichen Ent­wick­lung einer Gemeinde.

In die morgige Bezirks­ver­ord­neten­versamm­lung (BVV) wird ein Dringlichkeits-Antrag (Drs. 3312/V) einge­bracht werden, die ca. 150 Wohnungen durch einen neuen B-Plan zu schützen, alle planungs­recht­lichen Anstreng­ungen zu unternehmen, dass die Abrisse nicht durch­geführt und die Kündi­gungen zurück­genom­men werden. Ob das noch helfen kann, werden wir sehen.

Fotos: Jürgen Schwenzel und Susanne Torka

Nachträge:

Kurzer Bericht im Tagesspiegel.

Weitere Anfragen und Anträge in der BVV vom 16.9.21: Antrag zum Vorgang der Abrisse durch Bayer (Drs. 3385/V), große Anfrage zu Möglichkeiten der Unterstützung (Drs. 3322/V), Anfrage zu weiteren Gebieten mit ebensolchem Planungsrecht (Drs. 3328/V).

Pressemitteilung über den Verkauf (Sale-and-Leaseback) der Sellerstraße 31 an Quest Investment Partners.

 

Kämpferische Kundgebung vor den Häusern der Tegeler Straße mit etwa 70 Personen am 14. September 2021. Mehrere Reden wurden gehalten, allgemeiner Tenor: „Abriss geht gar nicht“. Auch die Coordination gegen Bayergefahren hatte ein Grußwort geschickt, das verlesen wurde. Mit dabei waren Bündnis Zwangsräumungen verhindern, IG HabersaathstraßeNeue Heimat Mitte, Wem gehört Moabit, Mietenwahnsinn Nord, Berliner Bündnis Mietenwahnsinn, Mieter*innengewerkschaft Berlin, Deutsche Wohnen & Co enteignen und viele mehr.

Offener Brief der Interessengemeinschaft der Bewohner*innen des Mettmannkiezes vom 16. September 2021. Kontakt: Mettmann-Quartier_bleibt@gmx.de oder Mettmann-Kiez@gmx.de

Bericht in der Berliner Morgenpost (hinter Bezahlschranke), die B.Z. hat einen Tag später berichtet. Auch in der U-Bahn im Berliner Fenster sollen Informationen gekommen sein.

12 Kommentare auf "Wohnraumvernichtung durch Bayer und Bezirksamt Mitte"

  1. 1
    BVV-Beobachter says:

    Die Bezirksverordnetenversammlung Mitte hat gestern am späten Abend den Dringlichkeitsantrag (Drs. 3312/V) beschlossen. Wenige Tagesordungsordnungspunkte später wurde die Sitzung unterbrochen, damit die weiteren zahlreichen Tagesordnungspunkte bei einer Fortsetzung der BVV-Sitzung am 26.8.2021 ab 19:30 Uhr noch behandelt werden können.

  2. 2
    Susanne Torka says:

    Mal sehen, was „die Politik“ da noch machen kann.
    Heute vormittag hat mich ein Gruppenleiter aus der Abt. Stadtentwicklung angerufen und erklärt, dass da planungsrechtlich nicht ander zu entscheiden wäre, wegen der Lage der Häuser im beschränkten Arbeitsgebiet, der Aufstellung des B-Plans als Gewerbegebiet und der übergeordneten Planung des Stadtentwicklungsplan Wirtschaft 2030, der vor 2 Jahren verabschiedet wurde,
    https://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/stadtentwicklungsplanung/de/wirtschaft2030/
    wo das Bayer-Gelände, nördlich und südlich der Fennstraße eine der wenigen in der Innenstadt gelegenen Flächen für produzierendes Gewerbe darstellt (Entwicklungskonzept für den produktionsgeprägten Bereich, EpB, Plan mit 7,6 MB):
    https://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/stadtentwicklungsplanung/download/wirtschaft/Karte4_EpB-Gebietskulisse.pdf
    Hier ist der Steckbrief zu finden (19 MB):
    https://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/stadtentwicklungsplanung/download/wirtschaft/StEP_Wirtschaft_2030_Steckbriefe_barrierefrei.pdf
    … unter dem Gesichtpunkt des innerstädtischen Wohnens und der Berliner Mischung dennoch eine Katastrophe!

    Platz zum Nachverdichten wäre auf dem Bayer-Gelände auf jeden Fall auch ohne Abriss genug:
    https://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/stadtentwicklungsplanung/de/wirtschaft2030/verdichtung_gewerbe/index.shtml

  3. 3
    Susanne Torka says:

    Beim oben verlinkten Dringlichkeitsantrag der BVV ist jetzt im Text etwas veränderter und angepasster Beschluss der BVV zu finden (auf 3. Beschluss vom 19.8.21 klicken):
    https://www.berlin.de/ba-mitte/politik-und-verwaltung/bezirksverordnetenversammlung/online/vo020.asp?VOLFDNR=10865

    Es sind also momentan „nur“ die Häuser Tegeler Straße 2-5 bedroht, aber langfristig die ganzen Wohnhäuser an dieser Ecke zwischen Fennstraße und Bahntrasse. Der Text wurde oben im Artikel aktualisiert.

  4. 4
    Zeitungsleser says:

    Jetzt hat auch der Tagesspiegel berichtet und titelt schon: „Bezirk will Abriss von Wohngebäuden durch Bayer verhindern“ aufgrund des Dringlichkeitsantrags, dem die BVV zugestimmt hat.
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/millionen-investitionen-von-pharmakonzern-in-mitte-bezirk-will-abriss-von-wohngebaeuden-durch-bayer-verhindern/27536794.html

  5. 5
    BVV-Beobachter says:

    Beim Ausschuss für Bürgerdienste und Wohnen am 26.8. ab 18 Uhr (virtuell) wird es unter TOP 4) Aktuelle Viertelstunde eine Anfrage zu den Häusern geben:
    Video-Konferenz, https://global.gotomeeting.com/join/579884909, Zugangscode: 579-884-909 oder Einwahl per Telefon: +49 892 0194 301

    Insbesondere soll die Stadträtin darstellen, wie den Mieter*innen der Häuser, denen gekündigt wurde, geholfen werden kann und wann gegenüber Bayer die Durchführung eines unabhängigen Sozialplanverfahrens gefordert wird, um sozialverträgliche Lösungen für die Mieter*innen zu finden, falls der Abriss wegen der problematischen planungsrechtlichen Situation nicht verhindert werden kann/soll.

  6. 6

    Ein Antrag in der BVV (Drs. 3328/V) zur Erstellung einer Liste, wo in Mitte es Wohnhäuser gibt, die in Gebieten liegen, in denen Wohnen nicht oder nur ausnahmsweise genehmigungsfähig ist.
    https://www.berlin.de/ba-mitte/politik-und-verwaltung/bezirksverordnetenversammlung/online/vo020.asp?VOLFDNR=10881
    Dann könnte der Bezirk Maßnahmen ergreifen, wenn er denn will und nicht andere Gründe für wichtiger erachtet, das Wohnen planungsrechtlich zu sichern. Denn gerade in solchen Gebieten liegen noch „bezahlbare“ Wohnungen.

    Es gibt noch einen weiteren Antrag speziell zum Vorgang Bayer (Drs. 3338/V):
    https://www.berlin.de/ba-mitte/politik-und-verwaltung/bezirksverordnetenversammlung/online/vo020.asp?VOLFDNR=10891
    … und eine Große Anfrage (Drs. 3332/V):
    https://www.berlin.de/ba-mitte/politik-und-verwaltung/bezirksverordnetenversammlung/online/vo020.asp?VOLFDNR=10875

    Wir können auf die letzte BVV in dieser Legislaturperiode gespannt sein.

  7. 7
    Mieter-Aktivist says:

    Das ist echt krass!!
    Heute hatten die Mieter*innen der Tegeler 1-7 und Fenn 33 + 34 ein Flugblatt im Briefkasten, das über den Verkauf (sog. Sale-and-Leaseback-Transaktion) des Bayergebäudes in der Sellerstraße 31 im Mai 2021 berichtet. Hier die Pressemitteilung von Quest Investment Partners:
    https://www.quest-investment.com/quest-investment-partners-und-axa-im-alts-erwerben-buerogebaeude-mit-15-000-m2-in-berlin-mitte/

    … und an der Tegeler werden die Mieter*innen rausgeschmissen!

  8. 8
    CBG says:

    BAYER schwingt die Abriss-Birne

    Im Wedding will BAYER den Mettmann-Kiez mit 140 Wohnungen, KiTa, mehreren Gewerbebetrieben, Künstlerateliers komplett abreißen und die Menschen ohne Sozialplan auf die Straße setzen, um mit Immobilienspekulation ihre Profite zu maximieren.

    Kommt zur Demonstration

    Di. 14.09.2021, 17.00 Uhr
    BERLIN / Tegeler Str. / Ecke Fennstr.

    Liebe Freundinnen und Freunde,
    liebe Mitstreiter*innen,

    im Wedding am Nordhafen in der Tegeler Str. 1 bis 7 und Fennstr. 33-34 will die Fa. Bayer (Schering) den Mettmann-Kiez mit 140 bezahlbaren Altbau-Wohnungen, KiTa, mehreren Gewerbebetrieben, Künstlerateliers komplett abreißen und die Menschen ohne Sozialplan auf die Straße setzen, um mit Immobilienspekulation ihre Profite zu maximieren.

    Kommt am Dienstag, 14.09. um 17 Uhr zur Demonstration und Kundgebung.

    Die ohnehin kurzfristig geplante Mobilisierung am Ort hat Rückschläge hinnehmen müssen. Mieter*innen haben Angst vor BAYER, der Werkschutz sondiert mehrfach täglich den Straßenabschnitt und beobachtet teils stundenlang.

    Bitte kommt zur Demo. Macht mit. Beteiligt Euch.

  9. 9
    Mieter-Aktivist says:

    Oben im Nachtrag jetzt ein Kurzbericht über die Kundgebung am Dienstag und der Offene Brief der Interessengemeinschaft der Bewohner*innen zum Download.

  10. 10
  11. 11
    ichlassmichnichtvertreieben says:

    In der Öffentlichkeit behauptet BAYER, dass es dabei um den „Erhalt von Arbeitsplätzen“ geht (siehe hier: https://www.tagesspiegel.de/berlin/millionen-investitionen-von-pharmakonzern-in-mitte-bezirk-will-abriss-von-wohngebaeuden-durch-bayer-verhindern/27536794.html). Kontakt zum Journalisten Thomas Lippold: thomas.lippold@extern.tagesspiegel.de.

    Tatsächlich scheint es jedoch so zu sein, dass BAYER hier ganz eindeutig Profitmaximierung mittels Immobilienspekulationen betreibt:

    Denn erst im Mai 2021 hat BAYER das sein Bürogebäude an der Sellerstraße 31 mit 15.800m² Bürofläche für den Rekordpreis von über 100 Mio. € an den Immobilienfonds „Quest Investment Partners“ verkauft (https://www.quest-investment.com/quest-investment-partners-und-axa-im-alts-erwerben-buerogebaeude-mit-15-000-m2-in-berlin-mitte/).

    Im Moment mietet BAYER dieses Gebäude zu einem vergleichsweise günstigen Preis zurück („Sale and Lease Back“). Der Mietvertrag dort läuft aber nur noch wenige Jahre (das war natürlich Bedingung, damit BAYER das Gebäude für diesen Wucherpreis an QUEST verkaufen konnte), und der neue Eigentümer QUEST wird dann anschließend eine deutlich höhere Miete verlangen, um den Wucherkaufpreis (mehr als 6.000€/m² Bürofläche) tragen zu können, den BAYER verlangt hat.

    Vor diesem Hintergrund erscheint die plötzliche „Notwendigkeit“ für zusätzlichen Büroraum „zum Erhalt von Arbeitsplätzen“ auf einmal in einem ganz anderen Licht:

    Offensichtlich wollte BAYER einerseits den Rekord-Kaufpreis für das Bürogebäude an der Sellerstraße erzielen, hat aber andererseits keine Lust, dort einen entsprechend hohen Mietpreis zu zahlen (zur Fortsetzung des „Lease-Back“ über die bald ablaufende aktuelle Mietzeit hinaus).

    Stattdessen möchte Bayer lieber einen günstigen Neubau errichten, um dort dann die Büroflächen unterzubringen, die bisher in der Sellerstraße 31 untergebracht sind. Hierfür bietet sich die Fläche in der Tegeler Straße natürlich an, da das Grundstück ja ohnehin schon BAYER gehört. Und dafür nimmt BAYER billigend in Kauf, dass alle die, die hier teils seit Jahrzehnten leben und arbeiten, aus diesem Minikiez vertrieben werden.

    Dabei nutzt BAYER ganz gezielt das Argument „Erhalt von Arbeitsplätzen“ aus. Denn BAYER hätten mit dem direkten Verkauf der Altbauten an der Tegeler Straße niemals einen hohen Gewinn erzielen können, da jedem Investor klar wäre, dass er diese seit Jahrzehnten bewohnten geschichtsträchtigen Gebäude nicht einfach räumen und abreißen kann. BAYER hingegen spekuliert darauf, dass man dies einem so wichtigen Konzern wie BAYER natürlich gestattet würde, wenn BAYER mit dem Erhalt von Arbeitsplätzen argumentiert.

    Dieses Argument ist aber ganz eindeutig nur vorgeschoben, denn BAYER hätte mehr als genug Büroraum, wenn es nicht erst in diesem Mai das Gebäude Sellerstraße 31 verkauft hätte. Und BAYER hat auch weiterhin genug Büroraum, es müsste dafür zukünftig nur eine höhere Miete zahlen als Gegenleistung dafür, dass BAYER vorher so einen enorm hohen Kaufpreis eingesackt hat.

    Letztlich versucht BAYER sich hier also auf dem Rücken der langjährigen Mieter an einer Profitmaximierung durch Immobilienspekulationen. Das erscheint vor dem Hintergrund der milliardenschweren Strafzahlungen in den Monsanto-Prozessen auch irgendwie logisch – aber es kann und darf nicht sein, dass somit letztlich wir Mieter die Zeche zahlen für Bayers Profitmaximierung und die von Monsanto verursachten Gesundheitsschäden.

    Die Vertreibung der Mieter aus unserem angestammten Milieu sowie der Abriss der historischen Häuserzeile ist zudem auch aus Sicht des von Bayer vorgebrachten Arguments des „Erhalts von Arbeitsplätzen“ nicht gerechtfertigt.

    Denn einerseits kann BAYER wie geschildert einfach das verkaufte Bürogebäude in der Sellerstr. 31 weiter anmieten. Und andererseits verfügt BAYER auch über die rechtliche Möglichkeit zum Bau von bis zu drei Hochhäusern auf dem Parkplatz östlich des Nordhafen-parks (siehe „Bebauungsplan 1-47“, http://mitte.gis-broker.de/bplaene/0100047.pdf).

    Ein auf diesem Grundstück errichtetes Bürogebäude könnte auch völlig problemlos mittels einer Brücke mit dem nördlich der Fennstraße befindlichen Grundstücksteil verbunden werden. Solche Brücken zur Querung von Straßen nutzt BAYER auf dem Areal in Wedding gleich mehrfach, und damit entfällt auch das letzte Argument, warum ein Neubau unbedingt genau auf der Häuserzeile „Tegeler Straße“ errichtet werden müsse. Denn BAYER kann problemlos das gesamt sonstige Areal nördlich der Fennstraße für Industrieanlagen nutzen, und ggf. benötigte Büroflächen auf dem vom Bebauungsplan 1-47 beschrieben Grundstück südlich der Fennstraße errichten und bei Bedarf auch mit einer Fußgängerbrücke verbinden.

    Aber die Errichtung eines Hochhauses ist natürlich etwas teurer als der Bau eines langgestreckten Büroriegels (wenn auch deutlich günstiger als die über 6.000€/m², die BAYER für die Sellerstraße 31 erhalten hat) – auch hier zeigt sich daher wieder eindeutig, dass das Handeln von BAYER hier einzig der Profitmaximierung folgt, ohne Rücksicht auf die Mieter. Das Argument des Erhalts von Arbeitsplätzen ist hingegen rein vorgeschoben, um diese Immobilienspekulation zu ermöglichen.

    Ganz offensichtlich möchte Bayer also den Bedarf an Bürofläche nur als Vorwand nutzen, um sich im Sinne der Profitmaximierung der Mieter in der Tegeler Straße zu entledigen und die historische Häuserzeile abreißen zu dürfen, um dann so kostengünstig wie möglich einen Ersatzbau für genau die Büroflächen zu schaffen, die BAYER gerade erst höchstbietend an QUEST verscherbelt hat.

    Dies können und dürfen wir nicht zulassen – daher hoffe ich, dass sich möglichst viele Unterstützer finden, die sich nicht vertreiben lassen wollen. Wer hiergegen protestieren möchte, kann sich insbesondere auch an Bezirksstadtrat Ephraim Gothe wenden (Ephraim.Gothe@ba-mitte.berlin.de) und ihm klarmachen, dass für uns „Sozialplan“ nicht in Frage kommt. Denn ein Sozialplan verhindert nicht, dass dieser Kiez zerstört und die über Jahrzehnte gewachsenen Strukturen zerrissen werden – und das alles völlig unnötiger Weise, bzw. nur um BAYER unter dem Deckmäntelchen des vorgeschobenen „Erhalts von Arbeitsplätzen“ seine proftmaximierende Immobilienspekulation zu ermöglichen.

    Denn der „Masterplan“ hier ist ja ganz klar“: Bayer möchte mit dieser Salamitaktik diesen ganzen Kiez Stück für Stück entmieten und dann abreißen, um sich mit dem anschließenden VErkauf des Areals nochmal eine goldene Nase zu verdienen – genauso wie beim Verkauf des Objekt in der Sellerstraße diesen Mai.

    Das können und dürfen wir nicht zulassen!

  12. 12
    ichlassmichnichtvertreieben says:

    Ich habe heute über Herrn Bertermann und Herrn Schug erfahren, dass Bezirksstadtrat Gothe heute den Stadtentwicklungsausschuss über den Sachstand informieren. Zudem habe ich erfahren, dass BAYER sich jetzt eine neue „Begründung“ für den Abriss ausgedacht hat – denn bisher hatte BAYER stehts behauptet, es wird dringend Bürofläche benötigt, jetzt hingegen wird der Abriss auf einmal damit begründet, dass eine „Baustellenzufahrt“ benötigt wird.

    Das ist nicht nur ein ziemlich überraschender Sinneswandel, sondern auch sachliche völlig schwachsinnig: Man muss nicht drei nebeneinander (!) liegende Wohnhäuser abreißen (fast 50m Gebäudefront), um eine Baustellenzufahrt zu dem Grundstück dahinter zu ermögllichen. Ein einfacher Blick auf das Satellitenbild von Google Maps zeigt: Um von der Fennstraße auf das dahinterliegende Werksgelände von BAYER zukommen, muss nur ein Teil der Schuppen im Hinterhof von „Fennstraße 3“ abgerissen werden. Die Zufahrt kann dann einfach durch den über 12m breiten (!) Freiraum zwischen „Tegeler Straße 1“ und „Tegeler Straße 3“ erfolgen, und dann weiter zum Werksgelände. Dies reicht sogar locker für eine zweispurige Zufahrt von überbreiten Baustellenfahrzeugen.

    Zudem liegt hinter den Häusern „Tegeler Straße 4“ und „Tegeler Straße 5“ der Garten der KiTA – es müsste also erst die KiTa auch noch rausgeschmissen und abgerissen werden, bevor man dort eine Baustellenzufahrt durchlegen kann.

    Außerdem erscheint es ohnehin äußerst eigenartig, dass eine Baustellezufahrt über die schmaler Tegeler Straße besser zu gestalten sein soll als über die breite, vierspurige Fennstraße.

    Ganz offensichtlich hat BAYER mittlerweile verstanden, dass es eine ziemlich verquere Argumentation darstellt, einerseits einen Bedarf an „mehr Bürofläche“ zu behaupten, wenn man andererseits gerade 15.000m² Bürofläche an der Sellerstraße 31 verkauft hat. Daher hat sich BAYER jetzt auf die schnelle eine neue Ausrede ausgedacht – die aber noch leichter zu durchschauen, und außerdem bei genauer Betrachtung völlig absurd: Es kann doch nicht sein, dass gleich drei (!) Mehrfamilienhäusern abgerissen und über 30 preisgünstige Wohnungen dauerhaft vernichtet werden, nur um etwas besser an eine Baustelle heranzukommen – das ist völlig unverhältnismäßig und entbehrt jeder Rechtfertigung.

    Daher sollte die Verwaltung unbedingt darauf bestehen, dass BAYER ganz genau darlegt (mit detaillierten Plänen):
    1. Wie genau soll diese Baustellenzufahrt aussehen?
    2. Warum müssen dafür genau diese Häuser (und gleich alle drei) abgerissen werden?
    3. Warum ist es unmöglich, die Baustellenzufahrt direkt über die Fennstraße zu führen?
    4. Warum ist es unmöglich, die Baustellenzufahrt zwischen den Häusern „Tegeler Straße 1“ und „Tegeler Straße 3“ und durchzuführen?

    Wenn BAYER wirklich diese detaillierte Angaben machen sollte (was ich stark bezweifle, denn die ganze Argumentation ist völlig Blödsinn, wie jeder sofort erkennt, der sich einmal vor Ort umsieht oder auch nur ein Satellitenbild betrachtet), dann sollte die Pläne anschließend von einem unabhängigen Fachbüro geprüft werden.

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