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Baustadtrat räumt indirekt ein: Investor Gröner hat Milieuschutz missachtet

Der umstrittene Bauunternehmer Christoph Gröner hat eine große Altbauwohnung in einem privat erworbenen Mietshaus in Moabit zum großen Teil ohne Genehmigung modernisiert und den Milieuschutz ignoriert. Nur so lassen sich Antworten von Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) auf eine Kleine Anfrage der BVV-Abgeordneten Ingrid Betermann (Linke) interpretieren. Es stellt sich die Frage: Warum hat das früh über die rechtswidrigen Arbeiten informierte Stadtplanungsamt die Verstöße nicht verhindert?

Bereits im September 2021 berichtete MoabitOnline. Hier eine notwendige Ergänzung.

Frühsommer 2021: Christoph Gröner übernimmt das von seiner Ehefrau erst im Februar erworbene Wohn- und Geschäftshaus Emdener Straße 2, Ende Juli beginnt sein Generalunternehmer mit der Sanierung und Modernisierung einer leerstehenden Altbauwohnung. Ohne Bauanträge einzureichen, ohne die zwingend vorgeschriebenen Genehmigungen. Der Altbau liegt im Milieuschutzgebiet Waldstraße, hier geltende Vorschriften werden ignoriert.

6. August 2021: llegale Änderung des Grundrisses im Bereich der früheren Küche, Dusche, Toilette. Eine Wand zwischen der frühren Küche (größeres Fenster) und Toilette/Dusche (schmales Fenster) wurde komplett entfernt. Der begonnene Durchbruch (links) dient zur direkten Anbindung von Küche zum künftigen Wohn-Essbereich.

Das Vorgehen liegt durchaus auf der Linie, die Firmenpatron Gröner nachgesagt wird. Danach sind behördliche Auflagen und staatliche Vorgaben dem streitbaren Baulöwen, der meist Klartext redet, ein Dorn im Auge. Das würde zur Missachtung des Milieuschutzes in Moabit passen.

In seiner neuen Liegenschaft hat Gröner zunächst Pech: Ein Mitarbeiter im Bezirksamt Mitte kommt dem illegalen Treiben früh auf die Schliche und konfrontiert am 10. August damit das Gröner Family Office (es koordiniert die Arbeiten). Das sorgt für Aufregung, doch in der Binger Straße hat man offenbar vorgesorgt. Das Bezirksamt erhält noch am gleichen Tag alle Anträge und Unterlagen. Für den Rest der Woche muss der Bauherr die Arbeiten aber „freiwillig“ ruhen lassen – vermeidet so den drohenden Baustopp.

Insider mutmaßen schnell: Sollte die Modernisierung ursprünglich ohne Genehmigung am Bezirksamt vorbei „durchgezogen“ werden? Im Stadtplanungsamt erinnert sich ein Mitarbeiter an den Anruf einer Architektin wenige Wochen vorher. Sie hatte gefragt, ob bestimmte Veränderungen im Altbau Emdener Straße 2 zulässig seien, wie der Bau eines Aufzugs. „Nicht genehmigungsfähig“ lautete die Antwort unter Bezug auf den Milieuschutz.

Dies Foto entstand aus der gleichen Perspektive wie das Foto vom 6. August: Mitten im Raum eine Trennwand aus Rigips mit Aluprofilen, davor soll ein innen liegender Sanitärbereich entstehen. Die frühere Wand zum Flur (vorn) ist verschwunden, dort wurden erste Aluprofile für den Aufbau einer neuen Trennwand montiert. Hinter der Trennwand nimmt die neue Küche erste Formen an.

Trotz der frühen Entdeckung der Verstöße: Der Bauherr hat bereits Weichen gestellt für bauliche Veränderungen, die Absichten des Milieuschutzes (Schutz vor Verdrängung) widersprechen und die später ohne Genehmigung vollendet werden: Zur Grundrissänderung im Bereich Küche, Bad, Toilette ist eine Wand verschwunden, Küche und Wohnzimmer verbindet jetzt ein Durchbruch, gestemmt durch eine 40 Zentimeter dicke Wand.

Und zwei 90 Zentimeter breite Zimmertüren wurden auf das Doppelte zu Durchgängen verbreitert – hier entsteht später ein großer Wohn-Essbereich. Allein diese Maßnahme verändert den Charakter der bis dato typischen Berliner Mietswohnung: Sie ist nicht mehr ausgerichtet auf eine Moabit-typische Klientel.

Trotz dieser Dreistigkeit: Nach nur vier Tagen Zwangspause können die Arbeiter am 14. August wieder ans Werk gehen. Das Stadtplanungsamt verzichtet auf eine Vorortkontrolle, lässt vom Schreibtisch aus nicht-strittige Arbeiten (wie z. B. Spachtelarbeiten) zu. Mehr als naiv: Der Bauherr setzt seine illegalen Pläne fort, das Stadtplanungsamt in der Müllerstraße bekommt davon nichts mit – wegen fehlender Kontrollen.

Hier ist die neue Küche geplant, wie ein Blick durch den illegalen Durchbruch belegt. Hinter der grünen Rigipswand soll der Sanitärbereich entstehen.

Zwei Wochen später sorgen konkrete Hinweise auf massive Verstöße gegen den Milieuschutz bei Gothe (SPD) und Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) für Alarm. Die Wahlen zum Bundestag, Abgeordnetenhaus und zur BVV stehen vor der Tür, das Bezirksamt handelt sofort: Am 24. August kontrollieren zwei Mitarbeiter aus dem Stadtplanungsamt (zum ersten Mal) die Wohnung in der Emdener Straße 2, verhängen einen Baustopp.

Bei ihrer ersten Kontrolle am 24. August könnten sich zwei Mitarbeiter vom illegalen Baufortschritt überzeugen, wie die verschiedenen Fotos hier im Text belegen.

Drei Wochen lang ruhen die Arbeiten. Offenbar findet zwischen Bauherr und Bezirksamt ein intensiver Austausch uns Ringen um Genehmigungen statt. Der Bezirk genehmigt am 3. September unstrittige Bauarbeiten (z. B. Abriss der Ofenheizung, Einbau Gasetagenheizung, modernisierende Instandsetzung der Elektrik, Austausch Gegensprechanlage ohne Video).

Möglicherweise nach einem Deal. Der Eigentümer hat zwei Tage vorher fast alle seiner 10. August beantragten Modernisierungen zurückgenommen, den Konflikt entschärft – zumindest auf dem Papier durch den offiziellen Verzicht auf Grundrissänderung, Durchbruch,Verbreiterung Türen, Sanitärarbeiten, die Verlegung von Fließen. Ungeachtet davon gilt der Baustopp des Bezirks weiter.

Hier wird der Baufortschritt kurz vor dem Baustopp am 24. August deutlich: Links wurde der Durchbruch zwischen Küche und Wohn-Essbereich durch Stahlträger gesichert, dahinter die grüne Trennwand zwischen Küche und Sanitärbereich. Rechts wurden zwei normale Türen zu etwa 180 Meter große Durchgängen mit Blickrichtung zur Emdener Straße geschaffen und mit Stahlstützen gesichert.

Am 13. September machen sich wieder Bauarbeiter ans Werk. Trotz Baustopp und Rücknahme der Anträge: Der Bauherr denkt offenbar nicht daran, von seinen (nicht genehmigten) Plänen abzurücken, sondern diese eilig zu vollenden. Zeitweilig kontrolliert durch einen Wachschutz und zuletzt mit tatkräftiger Hilfe unzähliger Bauarbeiter aus Osteuropa, die sich die Klinke in die Hand geben, schafft der Eigentümer vollendete Tatsachen. Ende Oktober ziehen Mieter in die modernisierte Altbauwohnung ein.

 Das fand offenbar alles unter den Augen des Stadtplanungsamtes statt. Auch das ist aus den Antworten von Baustadtrat Ephraim Gothe herauslesen – trotz umständlicher Formulierungen in bestem Behördendeutsch. Seine Leute stellten am 21. und 30. September vor Ort fest, dass vom Bauherrn am 1. September zurückgezogene Arbeiten durchgeführt worden waren. Warum das Bezirksamt nicht konsequent einschritt, sondern die Fertigstellung offenbar ermöglichte, bleibt unklar.

Die umgekehrte Blickrichtung zum Hinterhof dokumentiert, dass hier ein großer Wohn-Ess-Bereich entstehen soll, der neue Zuschnitt verändert den ursprünglichen Charakter einer typischen Moabiter Altbauwohnung massiv.

Zur bitteren Ironie gehört: Am 26. Oktober, als parallel zur Fertigstellung alle Messen gesungen sind, stellt Gröner einen neuen Antrag zur Genehmigung von Bauarbeiten, die teilweise erst gerade illegal beendet worden sind. Das Bezirksamt lehnt die Anträge am 22. November fast komplett ab, genehmigt nur wenige, kaum strittige Arbeiten, wie die bereits beendete Aufarbeitung maroder Fenster. Gegen die Ablehnung legt Gröner am 12. November Widerspruch ein. Was daraus geworden ist, ob der Streit vor Gericht ausgefochten wird, ob zurückgebaut werden muss, ist nicht bekannt.

Fazit: Trotz früher Misserfolge und späterer Rückschläge: Bis jetzt hat Christoph Gröner seine Pläne zur Modernisierung der etwa 120 Quadratmeter großen Altbauwohnung fast komplett durchgesetzt. Das früh informierte Bezirksamt war zwar lästig, sorgte für Verzögerungen, ergriff letztlich keine wirksamen Maßnahmen zur Verhinderung rechtswidriger Baumaßnahmen.

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Nachtrag:
Neuer Artikel im MieterMagazin Mai 2022 „CG Elementum/Gröner Group – Bezirksamt an der Nase herumgeführt“.

17 Kommentare auf "Baustadtrat räumt indirekt ein: Investor Gröner hat Milieuschutz missachtet"

  1. 1
    Zeitungsleser says:

    Dafür poliert Gröner jetzt sein Image auf, indem er Gerhard Schröder als Berater wegen dem Krieg in der Ukraine entlässt ….
    https://www.morgenpost.de/berlin/article234696607/Berliner-Groener-Group-trennt-sich-von-Gerhard-Schroeder.html

    Wer sich ein Bild von der Argumentation dieses Bauunternehmers machen möchte, ist ein Interview bei Deutschlandfunk Kultur vom Mai 2021 ganz interessant:
    https://www.deutschlandfunkkultur.de/immobilienmillionaer-christoph-groener-vom-versagen-der-100.html

    … und 2019 Einstellung von Gerichtsverfahren wegen Insolvenzverschleppung und Steuerhinterziehung gegen hohe Geldzahlung! Alle Vorwürfe wurden bestritten, warum wurde dann Geld gezahlt?
    https://www.lvz.de/Leipzig/Lokales/Prozess-gegen-CG-Chef-Groener-gegen-hohe-Geldzahlung-eingestellt

    Als letztes noch die Bewertung von 2020 als Gröner den Vorstand der CG Gruppe verließ
    https://www.diebewertung.de/cg-gruppe-ag-christoph-groener-nicht-mehr-der-vorstandsboss-gut-so/

  2. 2
    H. E. says:

    Mitarbeiter in der Berliner Verwaltung, die so etwas in einem Milieuschutzgebiet heute noch dulden, müßten m. E. hochkant rausfliegen !
    Und falls der Amtsleiter und der Stadtrat davon gewusst haben, diese gleich mit !

  3. 3
    Sabine Röttger says:

    Das ist illegal und da es jetzt auch öffentlich gemacht wurde, wird das hoffentlich von der Verwaltung gekippt.

  4. 4
    H. E. says:

    [Der Kommentar wurde auf Wunsch des Verfassers um 21:09 Uhr gelöscht.]

  5. 5
    Zeitungsleser says:

    @ H.E.,
    vielleicht erstmal lesen, was andere schon gepostet haben. Gröner persönlich ist bei der CG Group ja raus.

  6. 6
  7. 7
    H. E. says:

    @ 6
    Netter Schreibfehler !!

  8. 8
    Mieter-Aktivist says:

    Neuer Artikel im MieterMagazin Mai 2022 „CG Elementum/Gröner Group – Bezirksamt an der Nase herumgeführt“:
    https://www.berliner-mieterverein.de/magazin/online/mm0522/cg-elementum-groener-group-fuehrt-bezirksamt-an-der-nase-herum-052208a.htm

  9. 9
    Zeitungsleser says:

    Der Artikel ist zwar schon von August 2022, aber hier in diesem Zusammenhang vielleicht noch interessant, Parteispenden von Gröner an die CDU in Berlin im Jahr 2020: 820.000 Euro!!!
    https://www.bmgev.de/mieterecho/archiv/2022/me-single/article/spendable-immobilienlobby/

  10. 10
    H.E. says:

    Hier geht es wieder um die Parteispende eines Herrn Gröner an die CDU in Höhe von ca. 800.000 €. Artikel hinter der Bezahlsperre:
    https://checkpoint.tagesspiegel.de/langmeldung/oP8eyhupBGEcyKS13HAOo?utm_source=tagesspiegel&utm_medium=hp-teaser&utm_campaign=kai-wegner-und-die-800000-euro-spende

    Aber das MieterEcho hatte darüber ja schon im August 2022 berichtet – wenn auch vielleicht nicht mit den neuen Details:
    https://www.bmgev.de/mieterecho/archiv/2022/me-single/article/spendable-immobilienlobby/

  11. 11
  12. 12
    Zeitungsleser says:

    Leider auch hinter der Bezahlsperre, Artikel von Teresa Roelcke, die auch sehr gut über die Jagow 35 geschrieben hat:
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-wirtschaft/immobilienunternehmer-groner-im-interview-eine-unterstutzung-von-herrn-wegner-bringt-mir-doch-beim-baurecht-gar-nichts-9846794.html

  13. 13
    Taylan says:

    Das steht in dem Artikel:

    Zu einem ganz anderen Thema: Im Bezirk Mitte haben Sie ja vor einigen Jahren im Milieuschutzgebiet in der Emdener Straße ein Haus übernommen und dort gebaut, Grundrisse verändert, bevor Sie Baurecht hatten. Dann gab es einen Baustopp, vom Bezirksamt angeordnet. Warum haben Sie sich da nicht an die Regeln gehalten?

    Wir sprechen in der Emdener Straße von einem Bestandsgebäude, das zu meinem privaten Family Office gehört und bei dem ich von meinem Recht Gebrauch mache, eine Wohnung instand zu setzen, und darüber, dass ich, obwohl ich gesagt habe, dass ich den Mietpreis einhalten werde, in einem Vertrag daran gehindert werde, die Wohnung schöner zu machen, als es die Vorstellungen dieser Menschen zulassen. Ich verspreche dem Bezirk, dass ich nie über acht Euro pro Quadratmeter vermiete. Dann könnte es doch dem Bezirk völlig wurscht sein, ob ich in eine 100-Quadratmeter-Wohnung ein zweites Bad mit zwei Waschbecken einbaue. Wenn der Bezirk glaubt, er könnte mir reinreden, dann bekommt er es eben mit meinen Anwälten zu tun. Wir haben vor Gericht gestritten, wir haben bis heute nicht verloren. Wir haben zwar auch nicht gewonnen, aber ich glaube, der Bezirk hat keine Handhabe gegen uns, weil wir uns natürlich immer an die Regeln halten.

    Was heißt das: Sie haben bis heute nicht verloren, nicht gewonnen? Ist das Verfahren vorbei?
    Der Bezirk müsste mich jetzt auf Rückbau verklagen. Das verliert er meines Erachtens.

    Warum werten Sie die Wohnungen auf? Wenn Sie sagen, Sie erhöhen die Mieten nicht, dann ist das für Sie doch ökonomisch völliger Quatsch.
    Das ist kein völliger Quatsch. Ich kann doch meine Immobilie innen aufwerten, ohne dass ich die tägliche Rendite damit erhöhe.

    Aus Liebhaberei?
    In der Emdener Straße habe ich das aus Liebhaberei gemacht, weil ein Familienmitglied dort eingezogen ist. Das war der einzige Grund, weswegen ich das gemacht habe. Und ich würde es wieder tun. Dann hat man meinem Angehörigen ein paar Mal die Autos angezündet, daraufhin ist er weggezogen.

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  15. 15
  16. 16
    H. E. says:

    Eine neue Entwicklung in Sachen „Parteispende“ – leider nur als Bezahlartikel, aber die Überschrift sagt ja schon was:
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/groners-cdu-spende-doch-illegal-opposition-erwagt-klage-gegen-bundestag-10442650.html

  17. 17

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