So können Sie mitmachen!

Teilabriss und Neubebauung Rathenower Straße 16

Vorentwurf Bebauungsplan II-91-1 liegt aus

Zum Bebauungsplanverfahren II-91-1 für eine Teilfläche des Grundstücks Rathenower Straße 15-17, bekannt als Rathenower Straße 16, führt das Bezirksamt Mitte, Abteilung Stadtentwicklung vom 28. Oktober bis einschließlich 15. November 2019 die sogenannte „früh­zei­tige Öffent­lich­keits­be­tei­ligung“ gemäß § 3 Abs. 1 des Bau­gesetz­buches“ durch. Es handelt sich um das Grund­stück gegenüber der Birken­straße zwischen „Zille-Haus“ im Norden, der Kita Rathenower Straße 15 im Süden und dem Fritz-Schloß-Park im Osten. Das Gelände Rathenower Straße 16 mit dem an den Fritz-Schloß-Park angrenzenden 8-stöckigen „Hoch­haus“ sowie drei­stöckigem Flachbau wird derzeit durch verschiedene soziale Träger u.a. der Kiezküche des Trägers Bildungsmarkt und der Moschee „Haus der Weisheit“ genutzt.

Ausliegende Unterlagen
Die Originalunterlagen können im Auslegungszeitraum 28.10.2019 – 15.11.2019 in den Räumen des Fachbereichs Stadtentwicklung, Müllerstraße 146, 13353 Berlin, eingesehen werden. Sie haben vor Ort die Möglichkeit Nachfragen zu stellen, in die Bebauungspläne Einsicht zu nehmen und Ihre Stellungnahme im Rahmen der Beteiligung einzureichen.
Während des Auslegungszeitraums stehen die Unterlagen per Internet zum Download bereit:

Informationen zum Bebaungsplanverfahren mit obigen Links, Kontaktmöglichkeiten zum Stadtentwickungsamt und der Möglichkeit Ihre Stellungnahme über ein Formular zu übermitteln finden sie auf der Bezirksamts Veröffentlichung zur Auslegung.

Was ist geplant?
Mit dem Bebauungsplanverfahren II-91-1 soll die auf Grundlage eines kooperativen Gut­achter­ver­fah­rens gefun­dene städte­bau­liche Kon­zep­tion eines öffent­lichen Stadt­platzes mit Anbindung an den Fritz-Schloß-Park, Erhalt und Ausbau von sozialen Ein­rich­tungen und der Neubau eines Wohn­ge­bäu­des mit öffent­lichen Nutzungen in den unteren Geschos­sen, planungsrechtlich gesichert werden.

Gutachterverfahren
Im Januar 2019 wurden im Rahmen des Gut­achter­ver­fahrens von drei teil­nehmenden Büros ange­fer­tigte Ent­würfe, S.E.K Archi­tek­tinnen, DMSW Archi­tektur und Landschaft, sowie DAHM Archi­tekten + Ingenieure, in einem öffent­lichen Zwischen­kolloquium mit Bürger*innen vor­ge­stellt und dis­ku­tiert.

Die teil­nehmende Öffent­lichkeit sprach sich dabei größten­teils für den Entwurf des Büros S.E.K Architek­tinnen aus, der sich von den beiden anderen Bei­trägen grund­legend unter­schied. Dieses Büro wollte einen größeren Teil des dreistöckigen Bestands­gebäudes erhalten, der geplante Neubau lag gegenüber der Kreuzung mit der Birkenstraße, der Quartiersplatz in der Sichtachse von der Birkenstraße aus. Der Entwurf stand im Widerspruch zu einer Baufeldvorgabe und entsprach im wesentlichen einem Entwurf, mit die S.E.K. Architektinnen 2015 Plan „Besondere Wohnformen, Rathenower Straße Berlin Mitte (Moabit)“ beim Wettbewerb „Experimenteller Geschosswohnungsbau in Berlin“ ebenso wie acht weitere Projekte zur Realisierung ausgewählt worden waren. Der Entwurf wurde aber – anders als mittlerweile realisierte Projekte des Wettbewerbs – aufgrund von Widerständen der mit der Umsetzung der Planung vorgesehenen landes­eigenen Wohnungsbaugesellschaft Mitte WBM dann doch nicht realisiert.

Beim Abschluss­kolloquium im Februar 2019 ent­schied sich die stimm­berechtigte Jury beste­hend aus Architek­t*innen, Mit­arbeite­r*innen des Bezirks­amt Mitte, der Senats­verwal­tung für Stadt­ent­wick­lung und Wohnen, der GSE Gesell­schaft für Stadt­ent­wick­lung gGmbH, und der landes­eigenen WBM für das Konzept des Büros DAHM Architekten. Dieser Entwurf wurde anschließend im Auftrag der WBM, an die das Grund­stück Rathenower Straße 16 vom Land Berlin über­tragen werden soll, vom Büro GRUPPE PLANWERK weiter bearbeitet. Auf dem überarbeiteten Siegerentwurf beruht der nunmehr aus­liegende Bebau­ungs­plan-Vorentwurf.


Lageplan Rathenower Straße 16


Perspektivenansicht


Nutzungsplan Erdgeschoss

Bauplanungen
Während das „Hoch­haus“ erhalten und im Innern für die künftigen Nutzungen umgebaut werden soll, ist für den dreigeschossigen Flachtrakt ein Abriss geplant. Ebenfalls abgerissen werden soll der künstlich angelegte Hügel mitsamt dem Garagentrakt und die Verbindungsbrücken vom Hügel zu den Gebäuden. Auf der südlichen Seite des Geländes soll ein U-förmiger Neubau mit fünf und 8-stöckigen Gebäudeteilen mit der Öffnung des „U“ zur Parkseite hin entstehen. Da das Gelände zum Park ansteigt, wird außerdem ein zum Park gelegenes Gebäude­teil einge­schossig als mit Grün gedeckter Keller­raum für Haus­keller, 98 Fahr­rad­stell­plätze und 10 Pkw-Stell­plätze für Mobi­li­täts­ein­geschrän­kte zum Park hin ent­stehen, das von diesem aus als Grün­fläche erscheint. Zur Rathenower Straße hin, zwischen Zille-Haus, „Hoch­haus“ und dem Neubau, soll ein neuer Quar­tiers­platz entstehen, zwischen „Hoch­haus“ und dem Neubau entsteht eine bar­riere­freie Zuwegung in den Park hinein. Zwischen Südseite des Neubaus und der Kita Rathenower Straße 15 wird eine Zufahrt als südliche Erschließung entstehen, auch die vorhandene Erschließung der Kita bleibt. Östlich des Hoch­hauses sieht der Bebauungs­­plan­­vor­entwurf eine ein­­ge­­schos­­sige Erwei­te­rung­ des EG des Hoch­­hauses in den Park hinein vor. Da der Park schon höher liegt, ist zur Belichtung dieses Gebäude­­trakts ein Innen­hof vorgesehen. Die Bebauungs­­­plan­­grenze zum Fritz-Schloß-Park hin ist der vor­handene Spazier­weg im Fritz-Schloß-Park, bis zu den Gebäudekanten bleibt aber einige Meter Abstand.

Nutzungen
Entstehen soll einerseits bezahl­barer Wohn­raum sowohl in kon­ven­­tio­­neller wie auch in beson­­deren Wohn­­formen für unter­­schied­­liche Ziel- und Bedarfs­­gruppen (z.B. auch betreu­tes Wohnen). Ergänzend sollen vorrangig in den Erd­geschoss­zonen Flächen für gemein­­schaft­­liche und sozio­kultu­­relle Nut­zungen sowie für Bera­tungs- und Büro­­zwecke von Trägern der Jugend- und Sozial­­hilfe ent­stehen. Die Nutzung des zu errich­­tenden Neu­baus soll zu ca. 1/3 gewerb­liche / kultu­relle / soziale Ein­rich­­tungen und zu 2/3 Wohnen umfassen. Im zu erhal­tenden 8-Geschos­­ser wird von nahezu 100 % gewerb­­lichen / kul­tu­rellen / sozia­­len Nutz­ungen ausge­­gangen. Ins­gesamt beträgt der Wohn­­anteil mit 7.800 qm 45 % der 11.800 qm Brutto­­ge­­schoss­­­fläche. Die Begründung zum Bebau­ung­s­­plan­­­vor­entwurf führt folgende Nutz­ungen auf: „Vorge­sehene und vor­han­dene Nutzungen sind Beschäf­tigungs- und Jugend­hilfe, Obdach­­­losen­­­be­treuung, Moschee, Kiez­küche, besondere Wohn­formen (Cluster), Gastro­nomie, Verwal­tung/Büro und Wohnnutzung.“

Planungsrecht
Der derzeit rechtsgültige B-Plan II-91 von 1975 setzt das Plangebiet Rathenower Straße 15-17 als Fläche für die Nutzungen Gemein­bedarf mit Grundschule, Jugendclub, Kita, Kinderheim und Jugend­wohnheim fest.

Planungs­rechtlich soll der künftige Bebauungs­plans II-91-1 das Gebiet als „Urbanes Gebiet“ festlegen. Das Maß der Nutzung wird durch die Grundfläche (zeichnerisch), durch Begrenzung der maximalen Geschoss­fläche auf insgesamt 17.800 qm und die Zahl der Vollgeschosse bestimmt. Zur Sicherung des aus­gewählten städte­bau­lichen Konzeptes ist eine erweiterte Bau­körper­aus­wei­sung erfor­der­lich. Im weiteren Verfahren werden Flächen mit einem Mindest­anteil von 50 % an wohnungs­bezogener Geschoss­fläche für eine Miet­preis- und Belegungs­bindung gesichert (noch zu treffende Regelungen im städte­bau­lichen Vertrag zum „koope­rativen Modell der Bau­land­ent­wicklung“ auch mit weiteren noch zu treffenden Ver­trags­ver­ein­barungen). Festsetzungen zum Immissionsschutz und zu Grünfestsetzungen werden ebenfalls im weiteren Verfahren konkretisiert. Durch eine mit einem Gehrecht zugunsten der Allgemeinheit zu belastende Fläche wird die Anbindung an den Fritz-Schloß-Park gesichert. Für den Geltungsbereich des neuen B-Plans II-91-1 treten mit Inkrafttreten alle Festsetzungen aus dem alten B-Plan II-91 für den Geltungsbereich des neuen B-Plans II-91-1 außer Kraft.

Vorlauf Planungsgeschichte
Über die lange Vorgeschichte von Seite des Bezirksamts Mitte  zur Rathenower Straße 16 lesen Sie den Artikel Rathenower Straße 16 – leergezogen und abgerissen? vom März 2010.

Nachträge:

Freiraumplanung Platz
Am Abend des 29. Oktober 2019 fand im Auftrag der WBM eine öffentliche Akteurs­konferenz statt, bei der drei Landschafts­planungs­büros sowie das koor­di­nie­rende Planungs­büro Jahn, Mack & Partner Anregungen von Akteuren und inte­res­sier­ten Anwohne­r*innen  aufnahmen. Die Landschaft­planungs­büros sind beauftragt, jeweils Frei­raum­planungs­vorschläge für den Quartiers­platz und seine Verknüpfungen zur Umgebung zu machen. Im Februar 2020 sollen die Ergebnisse in einer öffent­lichen Veran­staltung vorge­stellt werden.

Am 1. + 12. November fanden Symposium und Workshop von der Initiative Wem gehört Berlin statt zum Erhalt des Ensembles und Denkmalschutz (Einladungsplakat).

Video zum Brutalismus-Symposium und Workshop:

3 Kommentare auf "Teilabriss und Neubebauung Rathenower Straße 16"

  1. 1
  2. 2
    vilmoskörte says:

    Zu Kommentar 1: Finde ich gut, das Gebäude ist in seiner Gänze erhaltenswert.

    BTW: Wenn man über Abriss redet, sollte man erstmal an den häßlichen Nazi-Bau Rathaus Tiergarten denken, der zudem Moabit auch noch seines einzigen Stadtplatzes beraubt hat. Ebenso werden viele Gebäude der DDR abgerissen (Ahornblatt, Palast der Republik, …), derweil die Nazibauten unter irgendeinen eigenartigen Schutz gestellt zu sein scheinen.

  3. 3

    Video zum Brutalismus-Symposium und Workshop, mit dem Denkmalschutz für das Ensemble vorgeschlagen wird (auch im Nachtrag zum Artikel):
    https://www.youtube.com/watch?v=FCRKldchV0c&feature=youtu.be

Schreibe einen Kommentar

Beachte bitte die Netiquette!