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Die Freie Musikschule Tiergarten muss umziehen und gibt ein Benefiz-Konzert

Seit 14 Jahren bietet die Freie Musikschule Tiergarten ein breit gefächertes Angebot an Gesangs-, Instrumental- und Theater-Unterricht für Kinder und Erwachsene – unter dem Motto „Wir bringen Musik in dein Leben“. Natürlich sind auch die Klassiker wie Musikalische Früherziehung sogar für drei Altersstufen oder das Instrumentenkarussell dabei, dieses auf Nachfrage auch für Erwachsene. Es gibt einen Chor, Konzerte und Musiktheaterprojekte für Kinder.

Die Musikschule ist verwurzelt im Kiez in der ruhigen Melanchthonstraße und beliebt in der Nachbarschaft. Viele Kinder aus der Moabiter und der Anne-Frank-Grundschule kommen hierher zum Musikunterricht – selbstständig zu Fuß oder mit Fahrrad, ganz ohne Elterntaxi. „Wir bestätigen den Eltern auf Wunsch auch gerne per SMS, dass das Kind angekommen ist,“ berichtet Sandra Volkholz-Hormeß, die Mitbegründerin der Musikschule.

Die Freie Musikschule Tiergarten ist ein selbstverwaltetes Kollektiv von Musiklehrenden ohne Verwaltung und Chef. Alle Lehrkräfte sind neben ihrer Unterrichtstätigkeit als freischaffende Künstler unterwegs. Sie stehen selbst auf der Bühne. Ihre eigene Freude an der künstlerischen Arbeit bringen sie in den Unterricht ein. So können sie den Spaß an der Musik direkt vermitteln. Die Räume sind gemütlich gestaltet, mit Bildern von befreundeten Kunstschaffenden eingerichtet. Die Atmosphäre ist familiär und freundschaftlich. Jede Lehrkraft steht in direktem Kontakt mit den Eltern, kein Sekretariat ist zwischengeschaltet. Es sind die kleinen Tipps, die den Unterschied ausmachen, wenn sie Eltern zum Beispiel raten: „Sagen Sie Ihrem Kind lieber nicht: willst Du nicht mal üben, sondern: willst Du nicht mal Dein Instrument spielen. Das klingt weniger nach Pflichtaufgabe.“

Bereits im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass das Haus Melanchthonstraße 14 mit den Räumen der Musikschule renoviert werden soll. Es gibt einen Bauantrag zum Ausbau des Dachgeschosses von April 2018. Schon seit Jahren steht der Fahrradladen nebenan leer. Der Vermieter wollte die Miete von 500 Euro auf 2.000 Euro nach der Sanierung vervierfachen. Das kann die Musikschule nicht bezahlen. Zudem ist nicht akzeptabel, dass während der Bauarbeiten kein Unterricht möglich ist. Wie viele andere kleine Initiativen, soziale Projekte oder Kitas war die Musikschule direkt von der Gentrifizierung betroffen.

Eineinhalb Jahre haben sie neue Räumlichkeiten gesucht und schließlich in der Levetzowstraße 16 gefunden. Dort besteht bereits seit fünf Jahren eine Filiale der Musikschule. Nebenan war eine Galerie, denn die großen Gewerberäume des früheren Schreib- und Bastelladen waren geteilt worden. „Der Vermieter ist uns wohlgesonnen. Bevor Herr Pfromm damals an uns vermietet hat, hat er sich erst einmal genauestens erkundigt, ob er sich auf uns verlassen kann. Wir haben Riesenglück, dass der Mietvertrag für die Galerie nicht verlängert wurde und wir dort einziehen können“, so Volkholz-Hormeß.

Es war eine lange Durststrecke mit viel Unsicherheit. Zweimal im Monat hat das Kollektiv sich getroffen um alles zu organisieren, sonst finden die Vollversammlungen nur vierteljährlich statt. Alle übernehmen verschiedene zusätzliche Aufgaben, wie Konzertorganisation, Webseitengestaltung, Druck von Flyer und vieles mehr. Der Förderverein der Musikschule, der Kulturverein Melanchthonstraße e. V., hat auch schon in der Vergangenheit Geld gesammelt, das wird jetzt komplett für die Kaution gebraucht. Während des Gesprächs auf der Bank vor der Musikschule in der Melanchthonstraße kommt eine Nachbarin vorbei: „Es ist so schade, dass Sie wegziehen, aber ich spende auf jeden Fall!“

Die neuen Räume bieten tolle Möglichkeiten für die Musikschule und den ganzen Kiez, denn es wird ein kleiner Konzertsaal zur Verfügung stehen, so dass die Vorspiele, Musiktheateraufführungen und vielleicht auch andere Veranstaltungen in Zukunft in eigenen Räumlichkeiten stattfinden können. Dafür muss allerdings kräftig investiert werden. Den Umzug und die Gestaltung der neuen Räume tragen die Lehrkräfte in freiwilliger Arbeit selbst. Für den Konzertsaal wird jedoch eine mobile Trennwand gebraucht, sonst fehlt ein Unterrichtsraum, und ein kleiner Konzert-Flügel soll angeschafft werden. An die Trennwand gibt es nicht nur funktionale, sonder auch ästhetische Ansprüche, damit sie in dem schönen Raum nicht stört. Auch ein dicker Teppich wird gebraucht.

Die Freie Musikschule Tiergarten lädt am Samstag, 15. Juni 2019 um 16 Uhr zu einem Benefiz-Konzert in der Heilandskirche in der Thusnelda-Allee. Geboten wird ein abwechlungsreiches Programm: die Musiklehrer*innen spielen, entweder solo oder in ihren jeweiligen Formationen, ausgewählte Schülergruppen und die Theatergruppe werden auftreten. Es gibt eine kleine Ausstellung über die vierzehn Jahre musikalischer Arbeit im und  für den Kiez, Kaffee und Kuchen – damit es auch weiterhin heißen kann: wir bringen Musik in dein Leben!

Spenden über die Webseite, über betterplace oder auch direkt im Umschlag beim Benefiz-Konzert, alles gerne gegen Spendenquittung.

Foto: Angela Hundsdorfer, Grafik: Freie Musikschule Tiergarten

Nachtrag:
Bereits im April hatte die Berliner Woche berichtet.

Ein Kommentar auf "Die Freie Musikschule Tiergarten muss umziehen und gibt ein Benefiz-Konzert"

  1. 1
    Zeitungsleser says:

    Auch die Ecke Turmstraße hat berichtet auf S. 15:
    https://www.turmstrasse.de/ts-images/aktuelles/ecke_nr3-19-turm_web.pdf

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