So können Sie mitmachen!

Ausstellung: Naked Cities

23.11.2020 00:00 Uhr
Art-Lab Berlin im iPhonedoctor
Perleberger Straße 60, 10559 Berlin

Tammam Azzam, Sherif El-Azma, Rabih Mroué

Videoscreen

Das Art-Lab Berlin freut sich, die dritte Ausstellung des Projektes Where Have All the Jasmines Gone bekannt zu geben. Die Ausstellung Naked Cities präsentiert Arbeiten dreier Künstler, die sich mit unterschiedlichen Aspekten der Stadt auseinandersetzen, als einem Ort, der Träume und geheime Wünsche inspiriert, aber auch ein Ort der Zerstörung und des Todes darstellt. Indem sie sich mit der Komplexität des gegenwärtigen Moments und seiner Krisen auseinanderzusetzen, laden sie die Besucher auf eine Reise durch persönliche Erinnerungen, urbane Erfahrungen und eine kritische Reflexion des Bezeugens ein.

Tammam Azzam: Untitled, 2020, courtesy Galerie Kornfeld

Der syrische Künstler Tammam Azzam produziert seit mehreren Jahren Bilder von Stadtlandschaften, Gemälden und Collagen, als Versuche, seine Erinnerungen an zerstörte syrische Städte anhand von lebendigen Farben mit neuem Leben zu erfüllen. Tammam Azzam wurde 2013 schlagartig bekannt, als ein Photoshop-Bild von Gustav Klimts „Der Kuss“ auf einer zerstörten Fassade viral wurde. Als Protest gegen den anhaltenden Krieg in Syrien geschaffen, wurde das Bild allgemein als tatsächliche Projektion angesehen, und sein Schöpfer wurde über Nacht berühmt. In den folgenden Jahren hat der Künstler weiterhin Bilder von zerstörten Gebäuden geschaffen, um die Verwüstungen zu dokumentieren, aber auch als Geste gegen das Vergessen. Tammam Azzams Werke erscheinen als Reflexionen der Zerstörung der Städte Syriens. Allerdings können sich seine Stadtlandschaften überall befinden, jede Stadt, die durch Krieg und Konflikte oder als Folge einer Naturkatastrophe zerstört wurde, ist in diesen Bildern zu finden. Durch ihre Farben ermöglichen sie den Betrachtern, sich Hoffnungen auf ein neues Leben, das sich aus den zerstörten Mauern erhebt, zu machen.

Tammam Azzam wurde in Damaskus, Syrien geboren und lebt momentan in Berlin. Er studierte Malerei an der Universität Damaskus and verfolgte eine erfolgreiche Karriere als Maler in Syrien vor dem syrischen Aufstand. 2011 verließ Tammam Azzam Damaskus, um sich in Dubai niederzulassen, wo er die nächsten vier Jahre verbrachte, bevor er nach Deutschland zog. Er arbeitet in einer Reihe von künstlerischen Medien, wie Malerei, Kollage und digitalen Bildformaten.

Sherif El-Azma, Oh Father of Youths Cairo Out of Perspective (2009), Foto: Di Mackey

Sherif El-Azma’s Installation besteht aus dem Video, Oh Father of Youths! und einer Reihe Maquettes, die verschiedene Ansichten von Kairo zeigen, Cairo Out of Perspective. Die Arbeit wurde 2009 realisiert, ein Jahr vor dem sog. “Arabischen Frühling” und setzte sich mit den Problemen der Jugend in der Region, die zu den Protesten führten, auseinander. Indem sie eine kritische Position gegenüber den Idealen der älteren Generation – den “Vätern” im Titel des Videos, einnimmt, erscheint die Arbeit als eine Manifestation der Unzufriedenheit der jungen Ägypter, die ein Jahr später zu der revolutionären Bewegung von Tahrir-Platz führten. Für Sherif El-Azma ist die Stadt Kairo eng mit seiner eigenen Subjektivität verbunden und erhält, inspiriert von der Psychogeographie, eine besondere, sehr persönliche Bedeutung: “Es ist, als wäre Kairo mein Körper, und mein Körper Kairo“.

Sherif El Azma lebt und arbeitet in Kairo. Er studierte am Surrey Institute in London und unterrichtet Experimentalfilm an der American University in Cairo. Er arbeitet in verschiedenen künstlerischen Medien, wie Video, Installation, Performance-lectures und Klangkunst. Dabei nimmt er Ansätze, die vom Experimentellen bis Dokumentarischen reichen und erkundet häufig Wege der Psychogeographie, Beziehungen und Sexualität im urbanen Kontext. Sherif El Azmas Filme liefen auf zahlreichen internationalen Festivals, u. A. Manifesta, Home Works Forum/ Beirut, und den Biennalen in Sharjah und Venedig.

Rabih Mroué, Chalk Outlines (2018 – 2020), courtesy Sfeir Semler Galerie, Beirut/Hamburg

Rabih Mroué’s Chalk Outlines nimmt Bezug auf den Widerstand des Künstlers gegen die Art, wie Kriegsbilder zirkulieren und wie sie vom Pulikum konsummiert werden. Rabih Mroué hat Bilder von Toten auf den Straßen syrischer Städte, wie sie in Zeitungen gezeigt wurden, als Ausgangspunkt genommen und hat in einem intimen und meditativen Prozess die Umrisse der Körper gezeichnet, und sich auf diese Weise mit jedem einzelnen Fall eines verlorenen Lebens befasst. Das Ergebnis ist eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit den jüngsten Ereignissen und eine neuartige, subtile Art, die alltäglichen Gräueltaten des Krieges zu verarbeiten. Mit rund 200 Zeichnungen und Collagen sowie einem Video zeichnet der Künstler die wiederkehrenden Eindrücke von Konflikten nach und schafft so eine Hommage an die Phantompräsenz der Toten.

Rabih Mroué (Schering Stiftung Award for Artistic Research 2020), wurde in Beirut geboren und lebt momentan in Berlin. Rabih Mroué ist Regisseur, Schauspieler, bildender Künstler und Bühnenautor. Er ist mitwirkender Herausgeber der The Drama Review /TDR (New York) und der vierteljährlichen Publikation Kalamon (Beirut). Er ist Mitbegründer und Vorstandsmitglied des Beirut Art Center (BAC). Er war 2013-2014 Fellow am The International Research Center: Interweaving Performance Cultures/ FU/Berlin in 2013 -2014 und ist seit 2015 Regisseur an den Münchner Kammerspielen.

Die Ausstellung wird in Zusammenarbeit mit Galerie Kornfeld (Berlin) and Taswir Projects (Berlin) realisiert.

Aufgrund der COVID 19-Pandemie, ist die Ausstellung vorübergehend für persönliche Besichtigungen geschlossen.
Die Ausstellung wird bis auf weiteres online (auf vimeo) und in der Fensterfläche des Art-Labs präsentiert.

Ausstellungsdauer: 21. November – 15. Dezember

Art-Lab Berlin im iPhonedoctor
Perleberger Straße 60, 10559 Berlin