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Finissage Seraphina Lenz »mots croisées«

23.11.2019 17:00 Uhr
Kurt-Kurt
Lübecker Straße 13 10559 Berlin

Kurt – Kurt, Kunst und Kontext im Stadtlabor Berlin-Moabit präsentiert die Ausstellungsreihe

Heute zwischen Gestern und Morgen | Teil 3 Seraphina Lenz  »mots croisées«

 

Was ist ideal?

Foto: Seraphina Lenz, 2019

Für ihre Ausstellung im Projektraum Kurt-Kurt entwickelt Seraphina Lenz die Installation »mots croisées«. Sie nimmt das Gedicht Das Ideal von Kurt Tucholskys zum Ausgangspunkt und lässt sowohl im installativen wie auch im gedanklichen Raum  das „Heute zwischen Gestern und Morgen“ kreuzen. Beim Gang durch die Räume setzt sich die fragmentierte Poesie Tucholskys wieder zusammen.

Im Gedicht Das Ideal aus dem Jahr 1927 beschreibt Kurt Tucholsky die unerreichbare Wunschvorstellung eines vordergründig perfekten Lebens. Er spricht darin vom Hin- und Hergerissensein zwischen Betriebsamkeit und Stille, von sinnlichen Freuden und Luxus.

In der mehrteiligen Installation für die Räume von Kurt-Kurt bleibt Seraphina Lenz nah am Text und spürt den Details nach wie in einem close reading Prozess. Sie untersucht einzelne Worte, findet Bilder, inszeniert das Gedicht räumlich und macht es begehbar. So schafft sie durch ihre „Inszenierungen“ Bezüge zwischen Interpretation, historischen und biografischen Aspekten und den unterschwelligen oder teilweise auch offensichtlichen Entwicklungen der Gegenwart.

Als berühmter Satiriker hat Tucholsky selber viel über Witze geschrieben, besonders gern über ihr Misslingen. Witze bedürfen eines exakten Timings. Kommen sie hundert Jahre zu spät, verschieben sich die Zeitläufte und es stellt sich die Frage, ob und wo der Witz dennoch treffen kann. So analysiert Seraphina Lenz in der explizit für diese Ausstellung entwickelten Arbeit auch, wie Tucholsky als erfolgreicher Feuilletonist präzise den Ton seiner Zeit im Übergang zwischen Kaiserreich und Weimarer Republik traf. Die genauen Beobachtungen des gegenwärtig gesellschaftlichen Geschehens und die Kommentierung tagespolitischer Ereignisse haben einen geschichtlichen Klang, so dass sich die Frage stellt, welche Pointen heute noch treffen.

Infos zur Künstlerin: www.seraphinalenz.de

Eröffnung: Donnerstag, 07.11.2019 um 19 Uhr
Ausstellung: 07. – 23.11.2019, Fr – Sa 16 – 19 Uhr oder nach Vereinbarung
Finissage mit Artist Talk: Samstag, 23.11.2019 um 17 Uhr

 


Zur Ausstellungsreihe: Heute zwischen Gestern und Morgen

Die Künstler*innen Bruno Nagel, Nasan Tur und Seraphina Lenz im Dialog mit Kurt Tucholsky

Mit der Ausstellungsreihe Heute zwischen Gestern und Morgen (Gedichttitel von Kurt Tucholsky  erschienen in „Die Weltbühne“, 31.05.1932) wollen wir Kurt Tucholsky mit seiner kritisch-konstruktiven Haltung im Dialog mit zeitgenössischen Künstler*innen ins Zentrum stellen. Nach dreizehn Jahren orts-, situations-, kontextbezogenen Projekten und Ausstellungen im Projektraum Kurt-Kurt (siehe www.kurt-kurt.de, www.sanspapiers.de) im Geburtshaus von Kurt Tucholsky werden die eingeladenen Künstler*innen sich mit ihren Arbeiten diesmal direkt auf den Menschen Kurt Tucholsky, sein Werk und sein politisches Handeln beziehen.

Kurt Tucholsky war ein äußerst sorgfältiger und aufmerksamer Beobachter der sich politisch verfärbenden Zeit seines kurzen Lebens. Er war auf der Jagd nach den Bruchstellen einer changierenden, sich entziehenden Gegenwart, die unverkennbar in die falsche Richtung steuerte. In seinen kürzeren und längeren Texten, aber auch in seinem lyrischen Werk zeigte und zeigt er uns genauso Bilder von den kleinen, aber tiefen Abgründen wie von den komplexen und großen Zusammenhängen. Und er ist heute damit wieder aktueller denn je.

Kurt Tucholsky hat poetisch literarische Instrumente geschaffen, die heute von drei Künstler*innen zu installativen und performativen Bildern umgesetzt werden, die uns motivieren und Kraft geben, eine Sprache zu finden, die uns weiterbringt. Kunst kann so Motor und Initiator einer kritischen, aber immer konstruktiven Auseinandersetzung sein, angefangen im Geburtshaus von Kurt Tucholsky und fortgesetzt bis zum globalen Dorf und den digitalen Wolken.

Die drei eingeladenen Künstler*innen Seraphina Lenz, Bruno Nagel und Nasan Tur werden Texte von Tucholsky und auch sein Leben und Handeln unter den aktuellen Vorzeichen der Gegenwart künstlerisch neu apostrophieren und inszenieren. Sie werden in den drei Ausstellungsprojekten sichtbar/lesbar/spürbar präsentieren, dass das Heimweh nach der Zukunft seinen Ursprung in der veränderbaren Gegenwart hat, für die wir die Verantwortung tragen, so dass sie die Vergangenheit nicht doppeln wird.

 

Kontakt
Kurt-Kurt
Kunst und Kontext im Stadtlabor Berlin-Moabit
Ein Projekt von Simone Zaugg und Pfelder im Geburtshaus von Kurt Tucholsky
Lübecker Str. 13 | 10559 Berlin | Tel 030-397 46 942 | Mail info@kurt-kurt.de
www.kurt-kurt.de | www.sanspapiers.de