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Das Morgen im Jetzt – Kurzfilme zum Städtebau in den 1950ern

13.11.2019 19:00 Uhr
Hansabibliothek
Altonaer Str. 15 10557 Berlin

Der erste Teil der Filmreihe „Das Morgen im Jetzt“ kombiniert Eberhard Riskes Film Großbaustelle Hansaviertel, einen vom Senator für Bau- und Wohnungswesen beauftragten Film über den Bau des Hansaviertels von 1959, mit Haro Senfts Die Brücke (1957) und Herbert Veselys Die Stadt (1960). Senft und Vesely verfassten 1957 mit „filmform – das dritte programm“ einen ersten Aufruf zur Etablierung einer explizit kulturellen Filmproduktion innerhalb der westdeutschen Filmindustrie, später gehörten sie zu den Unterzeichnern des Oberhausener Manifests von 1962. Die Propagierung eines vom sozialen und technischen Fortschritt geprägten Städtebaus steht in diesem Programm den widersprüchlichen Gefühlszuständen der Nachkriegszeit gegenüber, symbolisiert im Nebeneinander von modernen Hochhäusern, hell erleuchteten Schaufenstern, verwaisten Brachen und Ruinen.

  • Die Brücke, Haro Senft, BRD 1957, 15 Min.
  • Großbaustelle Hansaviertel, Eberhard Riske, BRD 1959, 10 Min.
  • Die Stadt, Herbert Vesely, BRD 1960, 36 Min.

Anschließend findet ein Publikumsgespräch mit Kathrin Peters und Kurator Florian Wüst statt.
Eintritt frei.

Florian Wüst lebt als freischaffender Filmkurator, Künstler und Verleger in Berlin. Er ist Mitgründer der Berliner Hefte zu Geschichte und Gegenwart der Stadt und seit 2016 Film- und Videokurator der transmediale.

Kathrin Peters ist Professorin für Geschichte und Theorie der visuellen Kultur an der Universität der Künste Berlin.

Nach 1945 bestand eine der größten Herausforderungen für den Wiederaufbau Deutschlands in der Schaffung von Wohnraum. Die auf neuen rationellen Bauweisen basierenden Leitbilder der Vorkriegsmoderne lieferten die Vorlage für die „Stadt von morgen“: die radikale Abkehr von der alten Industriestadt mit ihren Mietskasernen, dunklen Hinterhöfen und engen Straßen. Die Modernisierung des „Stadtkörpers“ wurde als ein Heilungsvorgang beschrieben, der Autorität und Anleitung von oben benötige. Spätestens ab Mitte der 1960er Jahre setzte jedoch die Auflehnung gegen die in immer größerem Maße praktizierte sogenannte Kahlschlagsanierung ein. Das Verhältnis von Teilhabe und intransparenten Planungsprozessen, von teurem Neubau und bezahlbaren Bestandswohnungen ist weiterhin umkämpft – heute mehr denn je. Vor diesem Hintergrund präsentiert die zweiteilige Filmreihe Das Morgen im Jetzt eine Auswahl an historischen und zeitgenössischen Kurzfilmen, die vor allem mit künstlerischen Mitteln auf die Wirklichkeit der modernen Stadt sowie beispielhafte Ansätze alternativer Architektur- und Lebensmodelle blicken.

Der zweite Teil der Filmreihe findet am Mittwoch, dem 4. Dezember 2019 um 19 Uhr statt.
Das Programm umfasst die Filme „60 Elephants. Episodes of a Theory. Improvisation #1” von Michael Klein und Sasha Pirker (AT/FR 2018) und “The time is now I +II” von Heidrun Holzfeind (AT/JP/SE 2019).
Anschließend findet ein Publikumsgespräch mit Margarita Tsomou und Kurator Florian Wüst statt. Eintritt frei.

Die Filmreihe ist ein Projekt von bi’bak in Kooperation mit der Hansabibliothek.
bi’bak (Türkisch: Schau mal) ist ein Projektraum mit Sitz in Berlin Wedding, mit einem Fokus auf transnationale Narrative, Migration, globale Mobilität und ihre ästhetischen Dimensionen. Das interdisziplinäre Programm von bi’bak bewegt sich an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Gemeinschaft und umfasst Filmvorführungen, Ausstellungen, Workshops sowie Musikveranstaltungen und kulinarische Exkursionen. Das kuratierte Filmprogramm, bi’bakino hat zum Ziel, transnationale, postkoloniale und postmigrantische Perspektiven aufzuzeigen. Mit geladenen Expertinnen und Experten aus Kunst, Film und Wissenschaft wird ein differenzierterer, explizit außereuropäischer Blick auf Gesellschaft und Kulturgeschichte ermöglicht.