So können Sie mitmachen!

Das Morgen im Jetzt – Die Wirklichkeit der modernen Stadt – Kurzfilme

04.12.2019 19:00 Uhr
Hansabibliothek
Altonaer Str. 15 10557 Berlin

Das zweite Filmprogramm der Filmreihe „Das Morgen im Jetzt zeigt aktuelle Filme, die nach der Realisierbarkeit von Utopien fragen. Der heute 96-jährige Architekt Yona Friedman erläutert in 60 Elephants. Episodes of a Theory. Improvisation #1 von Michael Klein und Sasha Pirker (2018) seine auf Selbsthilfe aufbauende Architekturtheorie sowie die Bedeutung des scheinbar Beiläufigen und Alltäglichen für die Praxis eines anderen städtischen Zusammenlebens. Heidrun Holzfeinds zweiteiliger Film the time is now (2019) porträtiert das japanische Künstlerpaar Toshio und Shizuko Orimo, bekannt unter dem Namen IRO, die musikalisches Experiment, politischen Aktivismus und nachhaltiges Leben auf das Engste miteinander verbinden. Holzfeind inszeniert eine Performance von IRO rund um das Inter-University Seminar House des Architekten Takamasa Yosizaka in Hachioji bei Tokyo: einem herausragenden Beispiel zivilisationskritischer Architektur der Moderne.

  • 60 elephants. Episodes of a Theory. Improvisation # 1, Michael Klein, Sasha Pirker, AT / FR 2018, 22 Min.
  • the time is now I + II, Heidrun Holzfeind, AT / JP / SE 2019, 48 Min.

Anschließend findet ein Publikumsgespräch mit Margarita Tsomou und Kurator Florian Wüst statt.
Eintritt frei.

Margarita Tsomou ist Kulturwissenschaftlerin in Berlin. Sie ist Kuratorin für Theorie und Diskurs am HAU Hebbel am Ufer, Professorin für Zeitgenössische Theaterpraxis in Osnabrück sowie Mitbegründerin des Missy Magazins. 

Nach 1945 bestand eine der größten Herausforderungen für den Wiederaufbau Deutschlands in der Schaffung von Wohnraum. Die auf neuen rationellen Bauweisen basierenden Leitbilder der Vorkriegsmoderne lieferten die Vorlage für die „Stadt von morgen“: die radikale Abkehr von der alten Industriestadt mit ihren Mietskasernen, dunklen Hinterhöfen und engen Straßen. Die Modernisierung des „Stadtkörpers“ wurde als ein Heilungsvorgang beschrieben, der Autorität und Anleitung von oben benötige. Spätestens ab Mitte der 1960er Jahre setzte jedoch die Auflehnung gegen die in immer größerem Maße praktizierte sogenannte Kahlschlagsanierung ein. Das Verhältnis von Teilhabe und intransparenten Planungsprozessen, von teurem Neubau und bezahlbaren Bestandswohnungen ist weiterhin umkämpft – heute mehr denn je. Vor diesem Hintergrund präsentiert die zweiteilige Filmreihe Das Morgen im Jetzt eine Auswahl an historischen und zeitgenössischen Kurzfilmen, die vor allem mit künstlerischen Mitteln auf die Wirklichkeit der modernen Stadt sowie beispielhafte Ansätze alternativer Architektur- und Lebensmodelle blicken.

Die Filmreihe ist ein Projekt von bi’bak in Kooperation mit der Hansabibliothek.
bi’bak (Türkisch: Schau mal) ist ein Projektraum mit Sitz in Berlin Wedding, mit einem Fokus auf transnationale Narrative, Migration, globale Mobilität und ihre ästhetischen Dimensionen. Das interdisziplinäre Programm von bi’bak bewegt sich an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Gemeinschaft und umfasst Filmvorführungen, Ausstellungen, Workshops sowie Musikveranstaltungen und kulinarische Exkursionen. Das kuratierte Filmprogramm, bi’bakino hat zum Ziel, transnationale, postkoloniale und postmigrantische Perspektiven aufzuzeigen. Mit geladenen Expertinnen und Experten aus Kunst, Film und Wissenschaft wird ein differenzierterer, explizit außereuropäischer Blick auf Gesellschaft und Kulturgeschichte ermöglicht.