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Interview mit dem neuen Quartiersmanager im QM Beusselstraße

Als er die Tür zum Stadtteilbüro in der Rostocker Straße 35 öffnet, strahlt er über beide Ohren. Das Interview findet an seinem Schreibtisch statt, der Quartiersmanager mit der sehr positiven Ausstrahlung sitzt direkt im Eingangsbereich. Er ist übrigens der erste festangestellte Mann hier im Team, seitdem das QM 1999 eingerichtet wurde. Sein exponierter Platz ist Programm, denn Tim Kormeyer möchte als Ansprechpartner für die Nachbarschaft im Beussel- und Huttenkiez Präsenz zeigen. Der 32-jährige ist seit Anfang Oktober 2022 beim QM Beusselstraße als Quartiersmanager an Bord. Dafür wurde er vom Träger S.T.E.R.N. GmbH eingestellt. Er befindet sich gerade mitten in seiner zweiten Arbeitswoche.  

Tim stammt aus Osnabrück und kam 2015 nach Berlin. Er studierte Politik und Wirtschaft in Münster. In seiner Bachelorarbeit beschäftigte er sich mit Gentrifizierungsfolgen in Großstädten wie Hamburg und Berlin. In Berlin arbeitete er ab 2015 als Fremdsprachenassistent an einer Sprachschule für Deutsch. An diesem Arbeitsplatz erlebte er viele unterschiedliche Menschen von überall auf der Welt. Parallel begann Tim 2018 mit seiner Masterarbeit auf dem Gebiet der Stadtgeografie. Ende September 2022 hat er sie abgegeben. Im Fokus der Arbeit steht die Quartiersebene von stark verdichteten Stadträumen. Das interessiert ihn auch privat. Wenn er auf Reisen wie z.B. in Bangkok ist, mag er es besonders, sich „alternative und subkulturelle Ansätze“ in den verschiedenen Stadtvierteln anzuschauen.

Inzwischen hat er sich auch in Berlin als Stadt verliebt, denn „wenn nicht hier, wo sonst wird man zum Stadtliebhaber?“ Er wohnt in einer WG in Prenzlauer Berg und weiß, seitdem er her zog, besonders solche Annehmlichkeiten wie einen Späti und den Bäcker direkt um die Ecke zu schätzen. Zur S.T.E.R.N. kam er über ein Praktikum im Frühjahr 2022 im QM Hellersdorfer Promenade. Dort fand er es spannend, neue Leute und aktive Netzwerke kennenzulernen. „Dieses Quartier ist viel besser aufgestellt als man denkt.“ Beeindruckt haben ihn in Hellersdorf vor allem die vielen Kooperationspartner und Trägervereine sowie besonders die zahlreichen Engagierten. Als S.T.E.R.N. ihn fragte, ob er als Quartiersmanager im Westen von Moabit arbeiten möchte, kam er ins Grübeln. Das Ergebnis ist bekannt: Tim griff zu. „Nach sieben Jahren in der Komfortzone wollte ich raus und etwas anderes machen. Etwas, dass mehr mit meiner Ausbildung und Qualifikation zu tun hat als die Arbeit an der Sprachschule.“ Diese hatte volles Verständnis für seine Entscheidung, und so ging es mit Tims Stellenwechsel ins Quartiersmanagement ganz schnell. Seine ersten Eindrücke von Moabit bezeichnet er als „positiv überwältigend“. Klar, dass er zunächst jede Menge Informationen aufsaugen muss. Derzeit dreht er erstmal überall seine Runden, um das Quartier, die Bezirksverwaltung Mitte, Trägervereine wie den Moabiter Ratschlag e.V. und natürlich all die Aktiven hier auf der „Moabiter Insel“ kennenzulernen. Apropos Insel, Tim mit seinem Noch-Außenblick findet, dass sich Moabit in einer „Underdog“-Position befindet. Der Stadtteil sei „immer noch unterschätzt“. Woran das liegt? Wir spekulieren über die innerstädtischen Industrieareale, die das Gebiet im Westen Moabits so „zerlöchern“, dass bisher wohl kein solches Kiezgefühl wie andernorts entstehen konnte. Aber: „Moabit ist nicht gleich Moabit“, weil auch innerhalb der Insel unterschiedliche Kieze existieren, und die ticken ganz verschieden.

Als seine Aufgabenfelder beim QM Beusselstraße benennt Tim vor allem die Nachbarschaftsarbeit. Er wird sich besonders um die Jugend, aber auch um die Älteren kümmern, den Aktionsfonds verwalten und die Öffentlichkeitsarbeit intensivieren. Was er auf diesem Gebiet konkret vorhat? „Wir wäre es zum Beispiel mit T-Shirts, auf denen ‚Beusselkiez‘ oder ‚Huttenkiez‘ steht? Oder mit ‚Ich bin Moabiter/Moabiterin‘ drauf?“ So etwas würde identitätsstiftend innerhalb der Nachbarschaft wirken, denkt er.

Gleich geht Tim zu einer Teambesprechung mit seiner Kollegin Sibel Olguner und der Praktikantin Henrike Lange, die zusammen mit ihm im QM begonnen hat und bis Januar 2023 hier arbeiten wird.

Was Tim in seinen „ersten hundert Tagen“ im Stadtteilbüro vorhat? Wir beide lachen, weil diese Frage sonst Kanzlerinnen und Bürgermeistern gestellt wird, und Tim überlegt. Erstmal richtig ankommen und erfahren, wer für welches Thema ansprechbar ist, und dann natürlich eigene Ideen entwickeln und umsetzen. Tim ist ein Mann der Tat. Er möchte „was reißen“, bei Projekten seine „eigene Handschrift zeigen“ und für sichtbare Veränderungen im Kiez sorgen. Verschönerungen. Was das sein könnte? Aufgewertete Spielplätze zum Beispiel, doch „so etwas kann man natürlich nicht in 100 Tagen stemmen.“ Nach Feierabend und am Wochenende dreht sich bei Tim viel um Hip Hop Kultur. In seiner Heimatstadt Osnabrück, wohin er oft fährt, organisiert er unter anderem Rap-Konzerte. Er mag es, dazu Leute zusammenzubringen, aber auch Fotos zu machen und Werbeplakate zu entwerfen. Er hat das Netzwerken irgendwie im Blut, womit er wohl der absolut richtige Mann im Quartiersmanagement ist.

Guten Start und frohes Schaffen!

Text & Fotos: © Gerald Backhaus 2022

Zuerst erschienen auf der Webseite des Quartiersmanagements Beusselstraße.

 

2 Kommentare auf "Interview mit dem neuen Quartiersmanager im QM Beusselstraße"

  1. 1
    Rudolf Blais says:

    Höchste Zeit für was neues. Trotzdem muss es eine kritische Bilanz der vergangenen Jahre, insbesondere seit Beginn der Coronakrise geben.
    Da ich schon seit Ende 2019 kein Stadtteilplenum mehr besucht habe, weis ich auch leider nicht, wie konkrete Debatten abgelaufen sind, Z.B. im Superwahljahr 2021, die Wahl muss nun für Berlin wiederholt werden.

    Mit Befremden habe ich auf dem vergangenen Stadtteilplenum am Dienstag erfahren, dass das Pleuum digital gelaufen sei. Seit Sommer 2021 sind fast alle Treffen, Plenas Podiumsdiskussionen usw. wieder in Präsenz gelaufen – so auch alle in denen ich war. Warum wurde der Nachbarschaftsdiskurs mit dem Stadtteilplenum so lange unterdrückt ? War es wohl für Funktionäre bequemer – die Fördermittel liefen ja weiter – so llange wie möglioch sich auf Coronaregeln zu berufen wie möglich. oder gab es andere Gründe, dann last mich das wissen.
    Die Funktionäre hätten nur in den Runden Tisch Getrefizierung in den gleichen Nachbarschaftstreff kommen können um zu sehen, wie es läuft
    In einem meiner anderen Plenas war die digitale Form, „hybrid“ so ätzend, technik- und lärmstörend sowie Zewitverschwendung, dass man so schnell wie möglich auf Präsenz – auch draußen – umgestiegen ist.

  2. 2
    Nachbarin says:

    Teilweise waren bei den digitalen Plena mehr Leute dabei als bei Präsenzplena, allerdings ist das auch immer themenabhängig gewsesen.
    Hier sind in der rechten Spalte unter Archiv die letzten Berichte:
    https://www.qm-beusselstrasse.de/Mitmachen/Stadtteilplenum
    oder auch noch hier bis 2021:
    https://www.moabitwest.de/mitmachen-im-stadtteil/das-stadtteilplenum

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