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Sanierung Stadtbad Tiergarten

Bericht vom Tag der offenen Baustelle in der Seydlitzstraße

Vor gut einer Woche luden die Berliner Bäderbetriebe zur Bau­stellen­besichtigung ein. Eigentlich hätte das seit Juni 2019 geschlos­sene Hallenbad schon nach zwei Jahren Bauzeit wieder eröffnen sollen, dann war der Termin auf den Herbst 2022 verlegt worden. Aber zuerst unerkannte Schäden, die Schwierigkeit geeignete Firmen zu finden sowie die steigenden Material­kosten und Material­eng­pässen haben dazu geführt, dass aktuell ein Termin im Spätsommer 2023 anvisiert wird. Auf der Webseite der Berliner Bäder steht noch „Sanierung bis mindestens Frühjahr 2023“ – was ja nicht falsch ist.

Ursprünglich waren 12,1 Mio. Euro für die Sanierung eingeplant, die Kosten haben sich über 15 Mio. auf zur Zeit 17,1 Mio. Euro erhöht. Im verteilten Flyer zu den aktuell sechs Baustellen der Berliner Bäder heißt es, dass dieses Budget wahrscheinlich überschritten wird. Das Gebäude wurde umfassend entkernt. Während der Arbeiten stellte sich heraus, dass der Beton von Grund auf saniert werden musste. Fliesen, Estriche und Abdichtungen wurden entsorgt und werden neu hergestellt. Das Dach und die Fassaden sind nach neuem Standard wärmegedämmt. Auch die Gebäudetechnik, Heizung, Lüftung und Wasser­aufbereitung sind bereits komplett erneuert. Der Einbau neuer Umkleiden und Duschen müssen noch folgen. Die Besucher*innen konnten sich bei dem Rundgang durch die Baustelle an vielen Informations­tafeln ausführlich informieren.

Auf der ersten Tafel begrüßte sie ein Foto der 1892 eröffneten städtischen „Volksbadeanstalt“ in der Turmstraße. Darüber wunderten sich selbst langjährige Moabiter­*innen, die bis zur Schließung 1985 dort noch geschwommen sind. Denn nach Zerstörungen der Vorder­front im Zweiten Weltkrieg, erhielt diese alte Schwimm­halle Mitte der 1950er Jahre einen neuen Vorbau in Stahl­beton­bauweise, in dem u.a. das Gesundheits­amt untergebracht war. Das sah natürlich vollkommen anders aus.

Die nächste Station war das Sprungbecken. Hier wird es wie bisher eine 1-Meter- und eine 3-Meter-Sprunganlage geben. Dazu kommt als besondere Attraktion eine 5 Meter hohe Kletterwand, von der man sich ins Wasser fallen lassen kann.

Zwischen Sprungbecken und der großen Schwimm­halle ist eine Glaswand installiert, damit die Springer und Kletter­fans ihrem Spaß auch lautstark nachgehen können ohne zu stören. Auch die Musikanlage kann dann laut aufgedreht werden, damit beim Aqua-Fitness Stimmung aufkommt. In allen Schwimm­bereichen hängen schall­absor­bierende Akustik-Lamellen an den Decken.

Die Wellen der Lamellendecke in der großen Schwimmhalle sorgen für zusätzliche Schall­dämpfung. Hier konnten Besucher­*innen neue Fliesen nur an den Wänden besichtigen, denn das 50-Meter-Becken war zugedeckt. Die Dichtigkeit wird gerade geprüft.

Wie bisher wird es eine mobile Trennwand erhalten, so dass Vereine trainieren und die allgemeine Öffentichkeit gleichzeitig das Bad nutzen können. Neu wird eine Unter­wasser­beleuchtung sein. Das die Stirnseite des Schwimm­beckens schmückende Kunstpaneel wird wieder angebracht werden.

Der Anbau des Winter­gartens ist bereits fertig­gestellt, eine neue geschwungene Glas­fassade, die sich auch teil­weise öffnen lässt. So wird die Halle breiter, Liege­stühle können aufgestellt werden, denn Ruhe- und Auf­enthalts­bereiche sind beliebt und sollen zum Ver­weilen einladen. Auch der Gastronomie­bereich bekommt mehr Platz und ist ebenfalls durch Glaswände abgetrennt.

Durch die Sanierung des Bades, der Gebäudetechnik und Wasser­aufbereitung soll geschätzt bis zu 30% Energie eingespart werden. Während der Planung wurde auch überprüft, ob eine Photovoltaik-Anlage auf dem Flachdach installiert werden könnte. Das gibt jedoch die Statik des Gebäudes nicht her. Es ist nicht stabil genug um neben der Deckendämmung weitere neue Lasten zu tragen. Die Kosten für eine zusätzliche Stabilisierung des Tragwerks wären zu hoch gewesen, wird den Besucher*innen erklärt.

Das Nichtschwimmerbecken sieht so aus wie vorher auch. Dennoch gibt es Verbesserungen. Die Temperatur aller Becken wird sich unabhängig voneinander steuern lassen, so dass die Wasser­temperatur bei den Kindern ein paar Grad höher sein kann. Zusätzlich können sich Begleitpersonen über beheizte Sitzmöbel freuen.

Der Blick auf den zugewucherten und als Baustelleneinrichtung genutzten Außenbereich provozierte viele Fragen zum Außenbecken, um das Moabiter*innen jahrelang gekämpft hatten, nachdem der Kampf gegen die Schließung des Sommerbades verloren gegangen und das Gelände nach Zwischen­nutzung durch die Tentstation für das zunächst Amala genannte Luxus-Spa verkauft worden war.

Die Mitarbeiter*innen der Berliner Bäder gaben bereitwillig Auskunft. Das Außenbecken bauen nicht die Berliner Bäder Betriebe, sondern der Bezirk Tiergarten mit Mitteln aus dem Förderprogramm Nachhaltige Erneuerung. Hier sind ein 25 Meter Nichtschwimmerbecken (Tiefe 1,30 m) und eine Kinderplansche, sowie Umkleiden und Sanitäranlagen geplant. Während es auf eine BVV-Anfrage von April 2021 noch hieß, dass darauf hingearbeitet wird, im Sommer 2022 zu eröffnen, haben diese Baumaßnahmen noch nicht begonnen und zur Zeit konnte niemand Auskuft geben, wann sie starten werden. Auch hier haben sich die Baukosten mehr als verdoppelt, besonders für das Edelstahlbecken, und der Bezirk muss neue Fördermittel beantragen, hieß es.

Hier findet sich der alte MoabitOnline-Artikel zum Stadtbad Tiergarten mit vielen Nachträgen, wie z.B. BVV- und Abgeordnetenhausanfragen.

Fotos: Jürgen Schwenzel und Susanne Torka (Infotafeln)

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