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VATTENFALL auf dem Holzweg!?

Unter diesem Titel führte die Umweltgewerkschaft (mit ihrem Büro in Moabit in der Lübecker Straße 42) am 22. April eine erste Diskussionsveranstaltung im Weddinger SprengelHaus durch.

Das VATTENFALL-Kohlekraftwerk gegenüber dem Sprengelkiez in Moabit soll 2026 umgebaut werden. Die bisherige Kohleverbrennung soll aufhören – was gut ist – stattdessen soll allerdings Holz verbrannt werden – was ganz und gar nicht gut ist! Das sah der eingeladene Vertreter von VATTENFALL naturgemäß anders und bewarb die Holzverbrennung als „nachhaltige und ökologische Alternative“.

Der Einleitungsbeitrag der Umweltgewerkschaft umriss den Zusammenhang des Kraftwerksumbaus zur heraufziehenden globalen Umweltkatastrophe. Die Kritik an der Holzverbrennung eröffnete das Verlesen einer gemeinsamen aktuellen Petition der Deutschen Umwelthilfe (DUH), der Baumschutzorganisation ROBIN WOOD, und dem bekannten Förster und Publizisten Peter Wohlleben vom 20.4. unter dem Titel: „Vattenfall plant nicht nur in Berlin Wälder zu verfeuern!“

In der anschließenden engagierten Diskussion schälten sich folgende Hauptkritikpunkte heraus:

  • das Verbrennen von Holz setzt das darin durch die Bäume in einem langen Prozess gespeicherte Treibhausgas CO2 sofort frei. Die Klimakrise wird nicht ent-schärft sondern verschärft;
  • industriell betriebene Holzverbrennung entzieht den Wäldern immer weiter Biomasse und wirkt so der langfristigen CO2-Speicherung durch Humusbildung in den Böden entgegen;
  • jeder gefällte gesunde Baum hat heute besonderes Gewicht: um seine CO2-Speicherfähigkeit und Sauerstoffproduktivität wieder zu erreichen braucht ein neu wachsender Baum hundert und mehr Jahre. „Schnellumtriebsplantagen“ die alle 7 bis 9 Jahre abgeholzt und verheizt werden sind dafür nicht ansatzweise ein Ausgleich.
  • für großindustrielle Energieerzeugung durch Holzverbrennung reichen „Restholz“, „Grünschnitt“ oder abgestorbene Bäume bei weitem nicht aus. Holzschnitzel und Holzpellets müssen und müssten vermehrt importiert werden – ein durch EU-Subventionen profitables Geschäft, das im kapitalistischen Markt nach Ausweitung schreit: Berichte über das Abholzen ganzer Waldgebiete in USA, Kanada, China, Polen häufen sich. (Ungläubiges Kopfschütteln über Vattenfalls Bemühungen, „Buschholz“ aus Namibia zu importieren und das auch noch als ökologische Maßnahme zum Erhalt der Savanne zu kennzeichnen).
  • Die neuerdings weltweit forcierten Holzverbrennungspläne großer Energieunternehmen lenken davon ab, dass längst technische Möglichkeiten zur Umstellung der Strom- UND Wärmeerzeugung auf 100% Erneuerbare Energien realisierbar sind. „Was wäre hier mit 100 Milliarden alles machbar?!“ fragte zurecht ein Diskussionsteilnehmer mit Verweis auf die plötzlich vorhandenen Finanzmittel für die neuesten Rüstungspläne der Bundesregierung.

Insgesamt brachte die Veranstaltung das relativ neue Problem großindustrieller Holzverbrennung zur Energieerzeugung ins Bewusstsein, und konnte das „grüne Mäntelchen“ ein Stück weit lüften. Weitere Aktivitäten sollen folgen.

Kontakt: umweltgewerkschaft-berlin@posteo.de

Ein Kommentar auf "VATTENFALL auf dem Holzweg!?"

  1. 1
    H. E. says:

    Dieser Plan von Vattenfall, wie absurd, mir fehlen die Worte. Na ja, doch, eins:
    Man sollte diesen Laden sofort enteignen und die Energieversorgung Berlins komplett in die öffentliche Hand überführen.

    Und was sagen unsere Experten in der Verwaltung und im Senat zu diesem Vattenfall-Plan?

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