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Haus Kunst Mitte wiedereröffnet

Anna Havemann führt Gäste durch die Ausstellung

Die umfangreiche Ausstellung „Starkes Duo„, die am 24. Juli 2022 endet, feiert mit den Werken von acht Kunstprofessorinnen und ihren Meisterschülerinnen die Wiedereröffnung des Haus Kunst Mitte. Mitte Juli besuchten die Teilnehmer*innen der nachbarschaftlichen Aktivitäten für Alt und Jung des B-Ladens diese Ausstellung – kompetent und engagiert geführt von Dr. Anna Havemann, der Kuratorin und Leiterin des Hauses.

Erworben hatte das 1870 gebaute Haus der Maler Manfred Bartling im Jahr 2008 und seitdem mit einfachen Mitteln und viel Eigenarbeit renoviert. Bis in die 1980er Jahre war das Haus ein Aussiedlerheim für 120 Menschen gewesen, wovon unzählige entsorgte Waschbecken zeugten. Die Asyl der Kunst Stiftung, die er schon 1999 mit seiner Frau, der Lyrikerin Elisabeth Bartling, in Häuslingen, Niedersachsen gegründet hatte, hat sich zum Ziel gesetzt zeitgenössische Kunst zu fördern und eine umfangreiche Kunstsammlung aufgebaut. Bis Anfang 2020 – dem Jahr seines Todes – hat er hier viele Ausstellungen organisiert und dafür gesorgt, dass die Stiftung und das Haus weiterexistieren können, indem er Havemann als Leiterin einsetzte.

Havemann studierte Kunstgeschichte in New York, promovierte an der Universität Potsdam und war seit 2001 als Kunsthistorikerin im Potsdam Museum angestellt. Dort kuratierte sie unter anderem die Ausstellung mit Bildern von Magda Langenstraß-Uhlig mit 16 anderen Künstlerinnen der Moderne 2015 (lesen Sie das Interview zum Ausschluss von Frauen aus Akademien und ihrer Selbstorganisation). Sie hat sich bereits in ihrer Masterarbeit bei Linda Nochlin, die die feministische Kunstgeschichte begründete, mit dem schwierigen Kampf von Künstlerinnen um Anerkennung und Gleichberechtigung auseinandergesetzt (Liste Publikationen).

2021 wurde das Haus in der Heidestraße 54 mit Unterstützung der Hermann-Reemtsma-Stiftung erneut saniert – sogar die alte Ölheizung durch Fernwärme ersetzt. Der schon 1867 gegründete Verein der Berliner Künstlerinnen, der sich schon 150 Jahre für die gleichberechtigte Teilnahme von Künstlerinnen am Kunstbetrieb einsetzt, hat hier einen eigenen Projektraum gefunden.

Die Ausstellung „Starkes Duo“ zeigt auf zwei Etagen in 22 Räumen Arbeiten der acht international erfolgrechen Professorinnen Tina Bara, Monica Bonvicini, Valérie Favre, Friederike Feldmann, Karin Sander, Jorinde Voigt, Corinne Wasmuht und Ina Weber aus den Fächern Malerei, Zeichnung, Bildhauerei und Fotografie. Sie leben in Berlin, unterrichten neben den beiden Berliner Kunsthochschulen aber auch an denen in Hamburg, Leipzig, Karlsruhe und Zürich. Präsentiert werden ihre Werke zusammen mit denen ihrer Meisterschülerinnen Kim Bode, Nadja Bournonville, Jana Debrodt, Charlotte Dualé, Carola Ernst, Lea Gocht, Sanja Henning, Paula Hoffmann, Marlene Hundt, Larissa Lackner, Tabea Marschall, Teresa Mayr, Stella Meris, Johanna Michel, Shira Orion, Anne Pfeifer, Sophia Ponpéry, Barbara Proschak, Sandra Schubert, Johanna Wagner und Franzhiska Wolff. Damit will die Ausstellung die Rolle der Professorinnen als Mentorinnen und Kolleginnen anstatt als Meisterinnen, die nachgeahmt werden wollen, betonen.

Am ersten Kunstwerk ist unsere Gruppe auf dem Weg in die Ausstellungsräume in der ersten Etage fast vorbeigelaufen, ohne es überhaupt wahrzunehmen. Ein kleines Foto des großen Pudels von Manfred Bartling und eine Schmutzspur an der Wand des Treppenhauses, die er hinterlassen hat und die Karin Sander konservieren ließ.

Viele Informationen haben die meisten unserer Gruppe zum ersten Mal gehört, wie die Rolle des Vereins der Berliner Künstlerinnen, der ein Jahr nach seiner Gründung 1868 eine Kunstschule für Künstlerinnen gründete und dem bereits 25 Jahre nach der Gründung 565 Mitglieder, darunter 214 Künstlerinnen angehörten. Hier studierte z.B. Paula Modersohn-Becker 1897 und Käthe Kollwitz  leitete von 1898 bis 1903 die Grafikklasse, lange bevor sie 1928 die erste Professorin an der Berliner Kunstakademie wurde. Erst 1989 kam mit Rebecca Horn eine zweite Kunstprofessorin dazu. Es dauerte bis 2006 ehe eine Frau an der Berliner Universität der Künste im Fach Malerei berufen wurde: Valérie Favre. Auch andere der ausstellenden Professorinnen waren die erste Frau, die für ihr Fach in den jeweiligen Kunsthochschulen berufen wurden. Von insgesamt 125 Professor*innen im Fach Bildende Kunst und unterstützenden Wissenschaften, die zwischen 1975 und heute an der Universität der Künste lehrten und lehren, sind bisher nur 30 Frauen.

Um den Betrieb aufrechtzuerhalten sucht das Haus Kunst Mitte weitere ehrenamtliche Unterstützer*innen.

Haus Kunst Mitte, Heidestraße 54, 10557 Berlin
Öffnungszeiten: Mi, Sa, So 12-18 Uhr, Do, Fr 12-20 Uhr
Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 3 Euro, bis 18 Jahre freier Eintritt

FinissageStarkes Duo„, So 24. Juli 2022, 16-18 Uhr

Lesen Sie auch die Rezensionen im Tagesspiegel und in der Zeit.

Fotos: Jürgen Schwenzel und Susanne Torka

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