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Die Basketball-Lions – ein Projektverein aus Moabit

Im Gespräch mit Andy Riebold, Präsident des BC Lions Moabit 21 e.V., und Kiezkoordinator Max Zimmermann

Treffpunkt in der Sonne vor der Sporthalle Alt-Moabit 10, zu der man von der Claire-Waldorff-Promenade aus kommt. Ich bin verabredet mit Andreas Riebold, dem ersten Vorstandsvorsitzenden des Basketballvereins BC Lions Moabit 21 e.V., und Max Zimmermann, dem neuen Kiezkoordinator des Vereins für Moabit und Tiergarten. Max ist schon früher da, also beginnen wir das Gespräch. Seit ein paar Wochen erst arbeitet er als Kiezkoordinator. Seine Stelle entstand durch die Zusammenarbeit der Lions mit dem Landessportbund Berlin (LSB). Bis Ende des Jahres wird die Stelle durch den LSB teilfinanziert. Seine Hauptaufgabe umreißt er so: „Jugendeinrichtungen, Schulen und Vereine miteinander zu vernetzen und Angebote zu machen, durch die man insbesondere Kinder sportlich fördern kann, so dass sie Lust auf Sport und Bewegung bekommen.“ Das sei ganz wichtig, besonders jetzt in Pandemiezeiten, betont er, und damit könne man auch „gegen den Trend der Vereinsaustritte angehen.“ Dazu muss man wissen, dass die Lions nach den ersten Lockdown-Monaten im vergangenen Sommer einen Rekordzuwachs von fast 100 Prozent an Neumitgliedern verzeichnen konnten. Der Verein hatte dadurch beinahe 200 Mitglieder. „Damals wollten alle Sport machen. Doch wenn man Mitglied ist, jetzt aber seit Monaten gar nicht mehr trainieren darf, lohnt es sich für manchen nicht mehr und er tritt wieder aus.“ Deshalb möchte Max bei den ganz jungen Kindern ansetzen und „Samen säen, damit die Kinder in ein oder zwei Jahren wieder bei uns in Moabit eintreten und aktiv Sport treiben.“

Mit Dirk Nowitzki fing alles an

Der 22-jährige ist in Moabit aufgewachsen. Er ging auf die Anne-Frank-Grundschule und hat sein Abitur auf der Menzel-Oberschule gemacht. Bis Ende des Jahres studiert Max Wirtschaftsingeneur für Umwelt und Nachhaltigkeit an der Beuth Hochschule für Technik Berlin. Nebenbei hat er schon in vielen Bereichen gearbeitet, u.a. auch mal Sushi ausgeliefert. Seit fast zehn Jahren spielt er Basketball. An seine Anfänge erinnert sich Max gern. Als Dirk Nowitzki als erster Deutscher mit den Dallas Mavericks NBA-Meister wurde, inspirierte das den damals 12jährigen Jungen, selbst die Sportart Basketball auszuprobieren. Freunde, die schon beim ASV Moabit spielten, nahmen ihn mit zum Training und Max blieb. Er entwickelte eine große Leidenschaft für den Mannschaftssport. „Damals war Andy mein Trainer. Ich kenne ihn nun schon neun Jahre.“ Als Andy Jahre später zusammen mit Jan, Denny, Gürsel, Ahmed, Ammar und Angy die Lions gründete, kam Max dazu und spielt nun seit 2016 aktiv in der Sportmannschaft im Kiez-Projektverein. Als einen besonderen Karrierehöhepunkt bezeichnet er, „dass wir 2019 mit der U20-Mannschaft Ostdeutscher Meister geworden sind. Das war unsere größte Errungenschaft.“ Außerdem schwelgt Max gern in Erinnerungen an die Basketball-Vereinsreisen, die Andy so gut organisierte und bei denen er neben Berlinern auch Spieler aus Aachen, Wismar und Paderborn kennenlernte. „Dadurch hab ich mir ein kleines Netzwerk von Basketballfreunden aus ganz Deutschland aufgebaut. Zusammen sind wir nach Dänemark, Schweden und Polen gefahren. Und natürlich gab es da noch 2018/19 die besondere Saison, in der wir ungeschlagen blieben…“

Sport in Corona-Zeiten
Normalerweise, also wenn kein Corona herrscht, trainiert Max zwei Mal pro Woche bei den Lions, nach der Jugendmannschaft inzwischen in der Herrenmannschaft. Am Wochenende ist dann meist ein Spiel. Derzeit darf in den Sporthallen ja kein Basketball gespielt werden und so kommt es, dass einer der Lions-Trainer allen Interessierten – frei für die Öffentlichkeit – regelmäßig online per Zoom einige Übungen zum Mitmachen zeigt. Dabei geht es vor allem um Kardiotraining, aber auch mit Springseilen und Bällen wird geübt. Dabei kann man leicht an seine Grenzen kommen, denn „wenn man die ganze Zeit mit dem Basketball zuhause in der Wohnung dribbelt, kann das die Nachbarn stören.“ So bald die Temperaturen draußen weiter steigen, kann in den Altersklassen bis 14 Jahre mit maximal fünf Kindern pro Übungsleiter trainiert werden. Für alle Älteren bietet der Verein die Möglichkeit für Individualtrainings an. Dieses Angebot bekannter zu machen und vor allem mehr Kinder zum Sporttreiben zu ermutigen, gehört u.a. zu den Aufgaben von Max als Kiezkoordinator. Er trifft sich gern mit Interessierten zu einem Individualtraining. „Das muss gar nicht immer Basketball sein, wir können auch zusammen Tischtennis oder Fußball spielen.“

Nicht nur Basketball, auch Nachhilfe!

Zwei Jahre lang war er selbst Trainer bei den Lions und hat viele Ideen für Angebote, die sich speziell an Kinder und Jugendliche in Moabit und Tiergarten richten. Um diese zu forcieren, hat er sich schon mit der Kiezsportlotsin Susanne Bürger vernetzt und ist aktuell dabei, weitere Kontakte zu Jugendeinrichtungen und Schulen aufzunehmen und seinen Instagram-Kanal bekannter zu machen. Andreas Riebold, den alle Andy nennen und der gerade zu uns gestoßen ist, ist begeistert: „Ich freu mich so, dass wir hier im Basketball Moabit zum ersten Mal eine vollwertige Personalstelle schaffen konnten. Max ist der Erste, der mehr als eine 20-Stunden-Stelle hat. Und er ist als Kiezkoordinator nicht nur für Basketball, sondern für alle Sportarten und Vereine da.“ Zusätzlich haben die Lions vor kurzem ein Nachhilfeprojekt mit finanzieller Unterstützung vom Deutschen Kinderhilfswerk begonnen. Wer möchte, kann kostenfrei Nachhilfe in den Schulfächern Politik und Geschichte erhalten. Um das umzusetzen, hat der Verein mit dem Fördergeld technische Geräte wie Laptop und Drucker angeschafft. Doch wird die Nachhilfe der zwei Vereinsmitglieder momentan erst von zwei Jugendlichen angenommen, „obwohl wir sie weit bekannt gemacht haben“, ergänzt Andy. „Das liegt vielleicht an den Fächern. Deswegen werden wir es bald ändern und Mathe und Englisch anbieten. Dafür gibt es mehr Nachfrage.“ 

Andy bei den Red Dragons und den Lions
Andy arbeitet hauptberuflich als Team-Manager in der dritten Baskettball-Bundesliga. Genauer gesagt ist er bei den Red Dragons in Königs Wusterhausen Beauftragter für die beiden Teams, die in der 1. Regionalliga Nord spielen. „Ich hab immer davon geträumt, sowas zu machen. 2018 habe ich dann die Chance bekommen. Da hab ich sofort zugesagt. Herzlichen Dank an dieser Stelle an unseren heutigen ersten Herren-Trainer Michael Opitz!“ Mit den Red Dragons möchte er in der nächsten Saison gern in die zweite Liga aufsteigen. „Sky is the limit“, kommentiert er das. Daneben leitet er ehrenamtlich den BC Lions Moabit 21 e.V. Zwei Vereine, ein Mann – ist das ein Spagat? „Nein. Das Gute ist, dass beide Vereine bald offizielle Kooperationspartner sind und wir viel miteinander verbinden. Außerdem bin ich seit 2019 ja kein Trainer mehr. Ich mach nur noch Orga und Vereinsmanagement, besorge Fördergelder, mach auch mal ein bisschen Drecksarbeit wie Sachen irgendwohin fahren, Halle putzen, Coaches treffen, Webseite betreuen…“ – „Von wegen: nur noch,“ wirft Max dazwischen und beide müssen lachen.

Andy mit der Bezirksverdienstmedaille ausgezeichnet

Im Herbst 2020 bekam Andy die Bezirksverdienstmedaille für sein langjähriges und vielfältiges Engagement im Bezirk Mitte. In der Begründung für diese Auszeichnung heißt es, dass er sich für seinen Kiez, seine Mitmenschen und die Umgebung ehrenamtlich einsetzt. Das stimmt: die Grundidee der Lions war es von Anfang an, das Soziale über den Leistungssport zu stellen. Ganz besonders prägt die Vereinsarbeit daher auch die Integration von Flüchtlingen und von Menschen mit Migrationshintergrund. Der Verein arbeitet intensiv daran, seinen Jugendbereich auszubauen und bietet inzwischen auch ein Training für die Altersklasse U14/U16 an. Andy selbst spielt Basketball, seitdem er 17 ist. 2003 kam er nach Moabit über die U12-Gruppe im Norden Berlins und den späteren Wechsel zu den WF Spandau. Er arbeitete als Coach sowie als Abteilungsleiter und Sportwart. Vier Jahre lang verbrachte er ein „Traumleben“ außerhalb Berlins. Er lebte eine Zeit lang in Wismar, in Aachen sowie in Belgien. „Das war eine schöne Zeit, aber Familie und Freunde haben gerufen.“ Zurück an der Spree baute er ab 2014 den BC Lions Moabit 21 e.V. auf.

Eastercup, „mein Baby“: Das große Turnier zu Ostern…normalerweise
Vereinspräsident Andy ist Organisator des “International Eastercup Berlin-Moabit”. 2019 nahmen insgesamt 164 Teams aus mehr als 30 Ländern von drei Erdteilen an dem Baskettballturnier teil. Den Eastercup bezeichnet Andy als sein Baby. 2013 richtete er dieses Oster-Turnier zum ersten Mal aus. „Unsere Sporthallen sind zwar nicht die Schönsten, aber sie haben Kult und liegen nahe beieinander. Und dann kommt noch der besondere Flair von Berlin-Mitte dazu.“ Seit der ersten Ausgabe hat der Eastercup immer mehr Basketballmannschaften aus aller Welt angelockt. Eine Mammutaufgabe für den Organisator: „Ich hab noch nie härter gearbeitet. Mein Handy klingelt an einem Eastercup-Tag bestimmt 500 Mal. Umzüge machen, Steine schleppen ist nichts dagegen – das härteste, was ich je gemacht habe, war der Eastercup. Der hat mir auch die Hälfte meiner Haare geraubt,“ sagt er und nimmt mal kurz seine Baseball-Kappe ab. 2020 und 2021 konnte das Turnier wegen Corona nicht stattfinden. „Uns hat’s voll erwischt. Es ist gerade so, als ob das eigene Kind zwei Jahre lang entführt wird. Das tut sehr weh.“ Im vergangenen Jahr sah es existenzbedrohend aus, doch gab es durch die staatlichen Corona-Hilfen dann Licht am Horizont, „so dass der Verein inzwischen wieder schuldenfrei und gesund ist.“ Ende April hat er das Hygienekonzept für eine kleine Ersatzausgabe des Eastercups 2021 auf nationaler Ebene beim Gesundheitsamt Mitte eingereicht. „Mit eigener Teststation, Essen to-go, gemeinsamer Anreise der Mannschaften in Kleinbusse und anderem.“ Wenn es dafür eine Zusage gibt, soll dieser kleine Ersatz-Eastercup am letzten Ferienwochenende Ende Juli, Anfang August stattfinden. „Wenn nicht, dann wird es ein 3×3 Turnier unter freiem Himmel geben.“ Durch das erfolgreiche Eastercup-Turnier bestehen diverse Kontakte zu den Moabiter Jugendeinrichtungen. Weil diese Kooperationspartner Interesse an Trikots mit dem Schriftzug Moabit für ihre Jugendlichen äußerten, kam es dazu, dass die Lions vor kurzem auf den Kiez zugeschnittene Vereinstrikots mit den Logos der verschiedenen Einrichtungen designt haben. Förderung dafür gab es vom QM Moabit-Ost im Rahmen des Projekts „Nachbarschaftlicher Zusammenhalt – mit Stolz tragen!“ über den Aktionsfonds Moabit-Ost.

Rolli-Stützpunkt und ein eigenes Sport- und Kulturzentrum

Für die Zukunft wünscht sich Andy natürlich, dass die Sporthallen wieder öffnen „und wir wieder Sport machen dürfen.“ Besonders die Halle hier in Alt-Moabit liegt ihm am Herzen, denn „die ist mein Zuhause. Es gibt nichts Schöneres in Berlin. Hier habe ich mein junges Erwachsensein verbracht und meinen Lebensweg bestimmt, auch wenn ich zwischendurch fast fünf Jahre nicht in Berlin war.“ Die aktuelle Kündigungswelle im Verein macht ihm Sorgen, doch bleibt er optimistisch, denn „langsam bekommt man im Kiez immer mehr von uns mit. Nicht nur als Basketballverein, sondern als Sportverein mit viel Projektarbeit dahinter. Wir identifizieren uns als Projektverein aus Moabit.“ Mittelfristig wünscht er sich, „dass wir zu einem Rolli-Basketballstützpunkt in Ostdeutschland werden. Ich würde dann sogar selber in einen Rohlstuhl steigen und spielen.“ Außerdem möchte er ein Angebot für basketballbegeisterte Eltern und deren Kinder in einer Sporthalle initiieren. „Und längerfristig möchten wir zu einem Sport- und Kulturzentrum werden. Ein Objekt, in das Kinder zu festen Zeiten hingehen können und von uns betreut werden“, schwebt ihm vor, „und wo wir auch eine eigene Korbanlage aufstellen können. Aber wir bieten nicht nur Basketball an, sondern haben auch Fußballgruppen, Tischtennis und Freizeitgruppen.“

Kontakt zu den Lions: http://www.bclions-moabit.de, www.eastercup-moabit.de

Text & Fotos: © Gerald Backhaus 2021

Zuerst erschienen auf der Webseite des Quartiersmanagements Moabit-Ost.

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