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Bahar Berlin Edeltrash – Bitterer Abschied

Solange Pulat, die Inhaberin von „Bahar Berlin Edeltrash“ in der Birkenstraße 19, musste ihren Laden jetzt aufgeben. Sie hat in den letzten Monaten während der Verhandlungen mit Vermieter und Nachfolgern viele Enttäuschungen erlebt. Folgenden Text hat sie zur Veröffentlichung an MoabitOnline geschickt:

„Liebe Freunde,
schweren Herzens gebe ich nach langen Bemühungen meinen geliebten Handel mit edlem Trash auf.
Die Pandemie hat es mir nicht leicht gemacht. Und mein Vermieter und die Nachmieter (ein gemeinnütziger Verein) haben noch eins oben drauf gesetzt. I’m done.

Edeltrash war mein Herzensprojekt. Über 6 1/2 Jahre habe ich viel Liebe und Leidenschaft in ‘mein Baby’ gesteckt. Gerne habe ich mehr als 20.000 Euro aus meinen privaten Ersparnissen in Wände, Decken und Einrichtung investiert und damit die Ladenräume bedeutend aufgewertet. Das meiste Geld ist in Bau- und Renovierungsmaßnahmen geflossen und damit in Dinge, die ich nicht ‘mitnehmen’ kann. Vor meinem Einzug stand der Laden 3 Jahre leer und war in einem kaum nutzbaren Zustand – teilweise hing das Stroh von der Decke.

Was ich mit „Bahar Berlin Edeltrash“ in viel liebevoller Arbeit erschaffen habe, hat mit dem Geschäft, den tollen Menschen und vielen Aktionen die Kiezkultur in Moabit mitgeprägt.

Dass mein langjähriger Ladennachbar mein Geschäft gerne übernehmen wollte und auch bereit war die Hälfte meiner entstanden Kosten zu übernehmen, erleichterte mir meine schwere Entscheidung. Doch hat mich mein Vermieter durch verschiedene Manöver um diese Möglichkeit gebracht. Ich muss mich nun mit einem aufgezwungenen Nachmieter abfinden. Dieser forderte von mir eine genaue Auflistung aller meiner Investitionen der 6 1/2 Jahre. Eine Woche lang habe ich in mühsamer Kleinarbeit bis in die frühen Morgenstunden diese Liste zusammengestellt – neben meiner Bemühungen den Laden rechtzeitig leerzuräumen. Durch den absoluten Lockdown war auch kein Abverkauf der Waren mehr möglich. Daneben musste ich mein Überleben durch meinen Zweitjob sichern.

Zuletzt sagten die vom Vermieter ausgesuchten Nachmieter den Termin zur Besprechung der Abstandszahlung für die Ausbaukosten kurzfristig ab und teilten mir am Telefon mit, dass sie „übrigens bereit seien mir 0 Euro meiner Unkosten zu zahlen“ für die umfassenden Baumaßnahmen zur Aufwertung des Ladens, für die ich meine persönlichen Ersparnisse geopfert hatte. Und das einen Tag vor der Beendigung meiner Frist zur Findung eines Teilhabers oder alternativen Nachmieters – während des Lockdowns.

Ich fühle mich mit meiner Kraft am Ende. Das waren zu viele Schocks. Ich fühle mich getäuscht. Viel Arbeit, Kraft und Nerven habe ich investiert, am Ende fühlen sich die Verhandlungen als Hinhaltetaktik an.

Die Pandemiesituation stellt uns im Einzelhandel vor ungeahnte Herausforderungen. Nie hätte ich gedacht meinen Laden aufgeben zu müssen. Und so wollte ich mein Herzensprojekt ganz bestimmt nicht verabschieden – mit erfahrener Ignoranz, Unfairness und einem signifikanten finanziellen Verlust.

Es ist leicht sich in Hilflosigkeit gefangen zu fühlen, wenn man solche Ungerechtigkeit erfährt. Doch ich weiß, ich bin nicht allein. Ich bin von lieben Menschen umgeben. So manche Freundschaft ist entstanden. Das gibt mir in dieser schweren Zeit Kraft. Es bedeutet mir viel eine Stimme zu haben, Gehör zu finden, und das hier ausdrücken zu können.

Umso mehr bin froh noch ein zweites berufliches Standbein zu haben – meine Naturheilpraxis. Darauf möchte ich mich nun mit Freude fokussieren. Seit einem Jahr mache ich meine Therapeutenausbildung in Somatic Expercience. Das Geld als Entschädigung für meine Umbaumaßnahmen hätte mir dabei sehr geholfen und einige Sorgen erleichtert. Für meine Ausbildung brauche ich 10.000 Euro, die mir aktuell noch fehlen.

Inmitten dieser Umstände fällt es mir nicht leicht daran zu glauben, dass für mich gesorgt wird, doch ungeachtet dessen vertraue ich und hoffe. Ich schreite mit positiver Erwartung in meine Zukunft. Für Menschen, die mich in dieser schweren Zeit und mit meinen Zielen unterstützen möchten, habe ich ein Crowdfunding eingerichtet. (Hier finden sich weitere Informationen und Fotos von Modenschauen z.B. in der Kulturfabrik.)

Von Herzen danke ich jeder/m einzelnen für euch. Die Zeit mit meinem Laden und mit euch war wundervoll, magisch und wird unvergesslich bleiben. Jede Begegnung, all die einzigartigen Stücke, denen ein neues Leben geschenkt wurde – wir haben zusammen ein bisschen Geschichte geschrieben. Das ist, was ich in Erinnerung behalten möchte.“

Nachtrag 12.2.21:
„Nach wochenlangem Kampf und anwaltlicher Hilfe hat der Vermieter mir ein Minimum an Entschädigung überwiesen. Von den gezahlten 3000 Euro bleiben mir abzüglich Steuern und Anwaltskosten 1000 Euro. Weit entfernt von den gewünschten Abstand von 10.000 Euro für meine Ausbildung und sehr weit entfernt von den von mir investierten 20.000 Euro!“

Hier geht es zum Crowdfunding – vielleicht könnt ihr etwas erübrigen um Solange Pulat zu unterstützen.

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