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Verbraucherzentrale in Moabit-Ost

Strittige Rechnungen, Sorgen mit dem Kredit oder Energieschulden? Das Projekt „Verbraucher stärken in Moabit-Ost“ hilft im Alltag

Noch nie von der Verbraucherzentrale Berlin gehört? Kein Problem, das lässt sich leicht ändern. Die Institution ist vor kurzem in Gestalt von Daniela Kemmer und Stefanie Huber nach Moabit gekommen, um vor Ort alle Interessierten im Quartier zu informieren. Die beiden wenden sich damit explizit an Menschen, die bisher noch nicht den Weg zur Verbraucherzentrale fanden, sei es aufgrund von Sprachbarrieren, ihrem Bildungshintergrund oder aus anderen Gründen. Aus der sogenannten „Komm-Struktur“ (von Hinkommen) wurde eine „Bring-Struktur“, was bedeutet, dass die Projektmitarbeiterinnen dorthin kommen und ihre Fachkenntnis mitbringen, wo sie konkret benötigt wird. „Aufsuchende Verbraucherarbeit“ nennt sich das offiziell. In den Räumen der Selbsthilfe – Kontakt und Beratungsstelle in der Perleberger Straße 44 bringen sie Verbraucherinformationen direkt und kostenfrei an den Mann, also zu den Bewohnerinnen und Bewohnern von Moabit-Ost. Kurz nach unserem Interview beginnt die achte Sprechstunde. Derzeit finden die Sprechstunden jeden Freitag von 11 bis 13.30 Uhr statt. Diese Zeiten sollen demnächst ausgeweitet werden, besonders dann, wenn die Verbraucherschützerinnen ein eigenes Büro in Moabit-Ost gefunden haben.

Von Abzocke bei Haustürgeschäften bis hin zum Urheberrecht und zu Fragen der Pflege, Ernährungs- und Energieberatung
Die Themenpalette ist sehr vielfältig und reicht von zu hohen Handyrechnungen und Problemen mit dem Online-Einkauf und Inkassoschreiben über den Widerspruch bei Kaufverträgen und die Abzocke bei Haustürgeschäften bis hin zum Urheberrecht und zu Themen der Pflege, Lebensmittel- und Energieberatung. Außerdem bieten Daniela Kemmer und Stefanie Huber passend zur jeweiligen Zielgruppe Präventionsveranstaltungen zu spezifischen Themen in Schulen, Seniorenheimen, Jugendeinrichtungen und Vereinen an. Sie kommen auf Wunsch auch direkt in die Einrichtungen, z.B. zum Mütter- oder Vätercafé oder zu einem Verein, und entwickeln dort im gegenseitigen Austausch abgestimmte Veranstaltungsformate zu Verbraucherthemen. 

Raus aus dem Schlamassel
Wie funktioniert ein Widerruf bei Haustürgeschäften? „Das weiß kaum jemand“, so Stefanie Huber. Ein Klassiker ist daher ihr Vortrag zu den zehn größten Verbraucherirrtümern, weil die beiden Projektmitarbeiterinnen präventiv tätig sein möchten, also Wissen vermitteln, „bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist“. Geht es um juristische Fragen, beraten die Politologin Daniela Kemmer, die zuvor im Bereich der Engagementförderung wirkte, und die Reiseverkehrskauffrau Stefanie Huber, die seit 2015 für die Verbraucherzentrale Berlin tätig ist, nicht selbst. Sie verstehen sich eher als Vermittlerinnen und Übersetzerinnen von Juristendeutsch. In solchen Fällen vermitteln sie Termine bei den Rechtskundigen in der Verbraucherzentrale, die aktuell vom Bahnhof Zoo nach Tempelhof in die Ordensmeisterstraße 15-16 umzieht. Ein Rechtsberatungstermin bei der Verbraucherzentrale Berlin kostet ab 15 Euro, Empfänger von Transferleistungen wie ALG II zahlen nur die Hälfte. Vermittelt wird auch beim Thema Lebensmittelberatung und den kostenlosen Energie-Checks, zu denen Experten zum Hausbesuch kommen und nachsehen, wo konkret Energie eingespart werden kann. Vor Ort in Moabit beraten die beiden Verbraucherschützerinnen zunächst zur individuellen Situation der Rat- und Hilfesuchenden. Oft befänden die sich in multiplen Problemlagen, so Daniela Kemmer, „und wir sortieren erst einmal, welche Baustellen es gibt.“ Sie helfen dabei, Unterlagen zu sortieren und etwas Klarheit zu bekommen, um einen Weg aufzuzeigen, wie die Betroffenen Stück für Stück aus dem Schlamassel z.B. mit doppelten Mobilfunkverträgen wieder herauskommen. Häufig geht es in den Sorgen der Ratsuchenden um Vertragsrecht, also wie man z.B. bei einer überhöhten Schlüsseldienstrechnung reagiert oder wenn ein Dating-Portal absurd hohe Jahresgebühren eintreiben will. Auch beim Thema Energie-Schulden wird geholfen, denn wenn der Anbieter mit einer Stromsperre droht, muss man schnell reagieren.

Tipps zu Schlüsseldiensten
Zum Thema Schlüsseldienst haben Stefanie Huber und Daniela Kemmer konkrete Hinweise: Am besten sollte man sich im Vorfeld einen Schlüsseldienst suchen und dessen Notrufnummer speichern. Auch in einer Notsituation empfehlen sie, mit dem Anbieter immer über den Preis zu sprechen, bevor ein Handwerker kommt und sich mit dem Türschloss befasst. Sucht man im Internet nach einem Schlüsseldienst, sollte man auf der Webseite das Impressum beachten. Bevor ein neues Schloss eingebaut wird, sollte man darüber sprechen, weil das eventuell eine nicht abgesprochene Zusatzleistung darstellt.

„Verbraucher stärken im Quartier“ – ein bundesweites Projekt
Die beiden Frauen arbeiten im Rahmen des Projektes „Verbraucher stärken im Quartier“. Dieses Projekt legte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) im Jahr 2017 gemeinsam mit den regionalen Verbraucherzentralen auf. Sein Ziel ist es, ein regelmäßiges Informations- und Unterstützungsangebot der Verbraucherzentralen in den Quartieren von benachteiligten Stadtteilen aufzubauen. Es leistet oftmals Basisarbeit, weil es Menschen gibt, die noch nie von den Verbraucherzentralen und ihren Angeboten gehört haben. Finanziert wird „Verbraucher stärken im Quartier“ durch das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat und das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz innerhalb der ressortübergreifenden Strategie „Nachbarschaften stärken, Miteinander im Quartier“ im Programm „Soziale Stadt“.

Büroräume in Moabit Ost dringend gesucht
Das Kiezprojekt möchte auch im Stadtteil verortet sein. Deshalb sind Daniela Kemmer und Stefanie Huber auf der Suche 
nach einem eigenen Büro im Quartiersmanagement-Gebiet Moabit Ost. Vielleicht können Sie helfen oder wissen Rat? Geeignet wäre ein möglichst einsehbares Büro im Erdgeschoss mit einem Raum von mindestens 15 qm Größe, Küchen- und WC-Nutzung. Es sollte sich im Gebiet des QMs Moabit Ost befinden und über den Projektzeitraum von drei bis vier Jahren (bis Mitte 2023) verfügbar sein.

Sprechstunde im Quartier
Freitags von 11 bis 13.30 Uhr in der 
Selbsthilfe-, Kontakt- und Beratungsstelle Mitte, Perleberger Straße 44, 10559 Berlin  

Kontakt zu Daniela Kemmer und Stefanie Huber: Tel.: 030 21485-237, E-Mail: Moabit-Ost@vz-bln.de

Text und Fotos: Gerald Backhaus

Zuerst erschienen auf der Webseite des Quartiersmanagements Moabit-Ost.

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