So können Sie mitmachen!

Das ist euer Recht!

Summer School 2019 in der Botschaft für Kinder

Zwei Wochen lang etwas lernen, was in der Schule oder in der Ausbildung nicht auf dem Stundenplan steht, zwei Wochen Austausch mit Gleichaltrigen und ganz neue Erfahrungen machen, zwei Wochen kreative Aus­ein­ander­setzung mit den eigenen Kinder- und Jugend­rechten und das alles kosten­los? Wo gibt‘s denn so was?

Bereits zum zweiten Mal fand in der Botschaft für Kinder des SOS-Kinderdorf Berlin die Summer School im Rahmen des Projekts „HIGH FIVE! jugendrechte im quartier“ statt. Angesprochen waren alle Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren, die in Moabit leben und arbeiten bzw. zur Schule gehen. Insgesamt 150 Jugendliche machten von dieser Einladung Gebrauch und besuchten die Summer School in der Botschaft für Kinder in der Lehrter Straße.

Uns hört doch sowieso keiner zu.“ „Was soll ich als Einzelner schon bewirken?“ Mit diesen Sätzen reagieren viele Jugendliche, die aufgefordert werden, sich zu beteiligen und selbst aktiv für ihre Rechte und Interessen einzustehen. Sie haben schon zu viele negative Erfahrungen gemacht. Dieser Negativ-Spirale hat das HIGH FIVE-Team Susanne Lange, Gruscha Rode und Anja Fiedler mit der Summer School erneut aktiv etwas entgegengesetzt und den Jugendlichen in den insgesamt 9 Workshops einen passenden Rahmen gegeben.

Wir wollen die Kinder und Jugendlichen motivieren, sich mit Freude und Engagement auf einen eigenständigen Weg ins Leben zu machen“, sagt HIGH FIVE-Projektmanagerin Anja Fiedler. Ihre Teamkollegin Gruscha Rode ergänzt: „Das Besondere daran ist, dass wir es hier nicht mit jungen Menschen aus dem gehobenen Bildungsbürgertum zu tun haben. Hier sind junge Leute, deren Stimme auch in den eigenen Familien nicht immer gehört wird. Sie haben auf ihrer persönlichen Ebene schon oft die Erfahrung gemacht, dass ihre Meinung nicht viel zählt.

Ganz anders bei der Summer School, wo gerade ihre Meinung und ihre Ideen gefragt waren. Da gab es zum Beispiel den Workshop mit dem schönen Namen „Upholzen“ der sich darauf konzentrierte, aus alten Holzpaletten tolle Möbel zu bauen. In der ersten Woche vom 24.-28. Juni war das eine echte Herausforderung, denn bei über 30° C im Schatten sind Sägen und Schwitzen ein und dasselbe. Aber am Ende der Woche standen da zwei große Outdoor-Bänke und ein Gamer-Stuhl, auf dem man entspannt sitzen und eben „gamen“ kann. In der zweiten Woche gesellte sich sogar noch ein Tisch mit Schublade dazu – für das kühle Getränk nebenbei. Dem Recht auf Freizeit, Spielen und Erholung haben die jungen Handwerker damit eine perfekte Grundlage gegeben.

Besonderes Interesse weckte der Workshop zum SOS-Wohnführerschein, denn schon in der HIGH FIVE-Jugendversammlung im vergangenen Jahr war das Wohnen ein zentrales Thema und es wurde deutlich – als junger Mensch bezahlbaren Wohnraum in Berlin zu finden, ist eine echte Herausforderung. Daher waren die Teilnehmenden auch besonders daran interessiert, wie man die Chancen auf eine eigene Wohnung erhöhen kann. Interessante Einblicke lieferte dabei das Wohnopoly, ein interaktives Spiel von GESOBAU AG und KARUNA e.V., bei dem man selbst zur handelnden Spielfigur wird und sich die Teilnehmenden mit den verschiedenen Aspekten des selbstständigen Wohnens auseinandersetzen können. Hamza*, ein junger Azubi aus der Gastronomie, stellte mit dem neu erworbenen Wissen eine Wohnungs-Bewerbungsmappe zusammen mit dem Ergebnis, das jeder, der sie gelesen hatte, sagte: Wenn ich Vermieter*in wäre, würde ich Dich sofort nehmen.

Nachdem sich die Gruppen in weiteren Work­shops auch mit gesunder Ernährung, aktivem Leben mit Sport und Ent­span­nung sowie Musik und Video­produktion beschäftigt hatten, fand am Ende jeder Summer School-Woche eine Abschlussveranstaltung in der Botschaft für Kinder statt. Im großen Saal der Botschaft wurden alle Ergebnisse und Erkenntnisse vor interessiertem Publikum präsentiert. Da gab es eine Modenschau der Upcycling-Shirts, die zeigten, welche tollen Kreationen aus vermeintlich alten T-Shirts entstehen können. Besonders gefeiert wurden aber auch die Teilnehmer*innen aus dem Kunstworkshop. Sich ein Bild von sich selbst zu machen, ist nicht einfach und da muss ein junger Mensch schon über die eine oder andere Hürde springen, um dieses Bild dann auch noch künstlerisch zu formen. Am Ende waren sich alle im Publikum einig: Auf diesen Selbstportraits sind echte neue Künstler*innen zu sehen, die es in jede Ausstellung schaffen könnten.

Die Freude über das selbst Erreichte – wer schafft es schon so einfach, seine Höhenangst zu überwinden und mal eben 12 m hoch in der Kletterhalle zu klettern? – war den Jugendlichen deutlich anzusehen. Sie nahmen stolz ihre Teilnehmerurkunden entgegen und manche verabredeten sich bereits zur Jugendversammlung im Herbst, die auch wieder ein zentrales Thema der Jugendlichen in den Fokus stellen wird. Welches es sein wird, wird gerade erarbeitet, denn da haben die Jugendlichen natürlich auch noch ein Wörtchen mitzureden.

Das Projekt „HIGH FIVE! jugendrechte im quartier“ wird im Rahmen des Programms Bildung im Quartier von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen aus EFRE-Mitteln gefördert.

*Name geändert

Gastautor*innen:
Text: Barbara Winter (SOS Kinderdorf), Fotos: Rainer Kurzeder (SOS Kinderdorf)

Schreibe einen Kommentar

Beachte bitte die Netiquette!