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Ausstellung »80 Jahre Reichspogromnacht – Synagogen in Tiergarten«

Foto: Thomas Abel, Gleis 69 e.V.

Zum Gedenken an die Novemberpogrome vor 80 Jahren zeigt der Verein Gleis 69 noch bis Ende Oktober in der Vitrine auf dem Mathilde-Jacob-Platz vor dem Rathaus Tiergarten eine Ausstellung mit Fotos, Zeichnungen und Texten zur Erinnerung an die Gebäude, Rabbiner und die Gemeinden der vormals drei Synagogen in Moabit und Hansaviertel. Die drei Synagogen befanden sich in der Levetzowstraße, der Lessingstraße und in Siegmunds Hof. Mit dem Abriss der Synagoge Levetzowstraße 1955/1956 sind sie völlig aus dem Stadtbild des ehemaligen Bezirks Tiergarten verschwunden.

 

Synagoge Levetzowstraße, Liberale Gemeinde Levetzowstraße

Die 1914 eingeweihte Synagoge in der Levetzowstraße 7-8, zu der auch ein Wohnhaus und eine Schule gehörten, war mit Platz für 2120 Menschen eine der größten Berliner Synagogen. Sie war eine der wenigen Synagogen, die in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 nicht abbrannte. Das Gebäude an sich blieb weitgehend unbeschädigt, die Inneneinrichtung wurde aber erheblich zerstört. Die Synagoge konnte aber weiter für Gottesdienste und die Gemeindearbeit genutzt werden. Ab Oktober 1941 bis Februar 1943 wurde das Gebäude mehrmals als Sammellager für Deportationen missbraucht. Bei den Luftangriffen der Alliierten 1945 auf Berlin wurde die Synagoge sowie die direkt angrenzende jüdische Religionsschule durch den Treffer einer Brandbombe, die den Dachstuhl getroffen hatte beschädigt, aber nicht zerstört. Bis 1955 blieben die Reste stehen dann wurden Synagoge und Religionsschule gesprengt. Die gewaltigen Säulen des Portals der Synagoge überstanden die Sprengung, wurden dann aber abgerissen. Seit 1960 erinnert eine Gedenktafel an die Synagoge, seit 1988 zusätzlich ein Mahnmal an das Sammellager und die Deportationen.

 

Synagoge Siegmunds Hof, Israelitische Synagogen-Gemeinde (Adass Jisroel)

1924 erwarb die Israelitische Synagogen-Gemeinde das Atelierhaus Siegmunds Hof 11 im Hansa-Viertel und richtete dort mehrere Schulen und eine Synagoge ein. In der Reichspogromnacht blieben die Synagogen und Schulen von Adass Jisroel unangetastet, verschiedene Lehrer und Rabbiner wurden dagegen ins KZ verschleppt. Im März 1939 musste die Gemeinde unter dem Zwang der Gestapo ihre Eigenständigkeit aufgeben und sich mit der liberalen, jüdischen Gemeinde zusammenschließen, die Schulen wurden geschlossen. Im November 1943 wurde das Gebäude Siegmunds Hof bei schweren Bombenangriffen zerstört.

 

Synagoge Lessingstraße, Synagogenverein Moabit und Hansabezirk

Der Gottesdienst des 1898 gegründete Synagogenvereins fand anfangs in den Räumen des Hauses Lessingstraße 19 statt. Dann ließ der Hausbesitzer auf dem Hof eine eigene kleine Synagoge mit Zugang von der Flensburger Straße errichten. Die vermutlich im Sommer 1910 eingeweihte Synagoge bot Plätze für ca. 250 Menschen. In der Reichspogromnacht 1938 wurde die Synagoge völlig zerstört und im Sommer 1939 abgerissen.

 

Mit ihren zahlreichen Bildern, Zeichnungen und den informierenden Texten zur Geschichte der Synagogen, Rabbiner und Gemeinden erinnert die sehenswerte Ausstellung in der Rathaus Vitrine eindrucksvoll an die Geschichte der drei früheren Gemeinden, der Rabbiner und Synagogen. Wer die Inhalte der Ausstellung in Ruhe nachlesen möchte, findet die umfangreichen Texte zur Ausstellung unter der Ausstellungsdokumentation von Gleis 69 e.V.

6 Kommentare auf "Ausstellung »80 Jahre Reichspogromnacht – Synagogen in Tiergarten«"

  1. 1
    tom says:

    ich finde es komisch, dass ihr den verein gleis69 hier mit eurer
    veröffentlichung unterstützt. meiner meinung nach ist das kein seriöser
    verein, sondern eine veranstaltung von ein, zwei leuten die sich mit der
    arbeit von einer anderen moabiter initiative schmücken, nämlich „sie
    waren nachbarn“.
    gleis69 wurde erst in diesem jahr gegründet. der gründer ist ein
    ehemaliges mitglied von „sie waren nachbarn“ und ist teilweise noch in
    diesem zusammenhang bekannt. immer wieder sieht es so aus, dass er den
    Eindruck erweckt, noch dort mitzuarbeiten und darüber seine eigenen
    kontakte auszubauen.
    zum beispiel mit einem grußwort von andreas nachama der darin sagt, sie
    würden seit jahren zusammenarbeiten. in wirklichkeit hat nachama bei der
    ersten aktion von „sie waren nachbarn“ gesprochen.
    im neuen flyer von gleis69 wird der eindruck erweckt, sie hätten seit
    jahren für einen gedenkort am früheren deportationsbahnhof moabit
    gearbeitet. aber auch dies war in wirklichkeit die initiative „sie waren
    nachbarn“.
    es gibt mehrere beispiele wie der macher von gleis69 unseriös arbeitet.
    einige moabiter aktive weigern sich mittlerweile, mit ihm
    zusammenzuarbeiten.
    wenn ihr schon werbung für seine (gute) ausstellung macht und ihn
    verlinkt solltet ihr diese fakten auch veröffentlichen.

  2. 2
    Aro Kuhrt says:

    Wir hatten hier in der Redaktion ein Gespräch darüber und auch über Deinen ersten Kommentar, der hier nicht veröffentlicht wurde. Ich sehe das genau wie Du und trage die Nichtveröffentlichung des ersten Kommentars auch nicht mit. Für mich war das der Anlass (aber nicht der einzige Grund), die Redaktion nun zu verlassen.
    Inhaltlich hast Du mit Deiner Beschreibung völlig recht. In unserer Initiative „Sie waren Nachbarn“ sind wir mittlerweile sehr schlecht auf den Mann zu sprechen, der als Gleis 69 auftritt. Nicht weil er einen eigenen Verein gegründet hat, das ist ja sein gutes Recht und hat unsere Gruppe sogar entlastet. Aber aufgrund der Art des Umgangs damit. Gerade weil er immer wieder den Eindruck erweckt, sein neuer Verein hätte die Arbeit geleistet, die tatsächlich aber von uns gemacht wurde, teilweise noch mit ihm zusammen. Dieser Verein stellt manche Behauptungen auf, die man nur als Augenwischerei bezeichnen kann. Andere bezeichnen es als Hochstapelei.
    Das Ganze ist sehr ärgerlich, weil hier Gräben gezogen werden, die nicht nötig wären. Andererseits muss man aber auch davor warnen, wenn jemand unter falscher Flagge auftritt.

  3. 3
    Susanne says:

    Sehr unschön dieser Streit! …. und jetzt gibt es auf der Seite von Gleis 69 prompt ein neues Grußwort, nachdem 3 Mitglieder des Vereins „Sie waren Nachbarn“ schon vor vielen Monaten bei einem Klärungsgespräch darum gebeten hatten, die nicht zutreffende Formulierung von Herrn Nachama richtig zu stellen:
    http://gleis69.de/der-verein/grusswort

  4. 4
    Andreas Szagun says:

    Wenn sich die oben genannten Reibereien auf lediglich zwei Vereine beschränken würden, könnte man ja sagen: „Sehr deutsch“. Dem ist aber beileibe nicht so, auch mit von beiden Vereinen völlig Unabhängigen, wie mir, wird so umgegangen. Da kam mir doch die auf der Webseite von „Gleis 69 e.V.“ verwendete Zeittafel sehr bekannt vor – allerdings waren einzelne Passagen ergänzt, andere weggelassen und dadurch zum Teil grobe Fehler eingebaut worden. Auch tritt eine bestimmte Person mir gegenüber mittlerweile dermaßen abschätzend, fordernd und besserwisserisch auf, so als ob diese Person das Gutachten zum Ort und nicht ich verfaßt hätte. Und ich bin Zeuge eines sehr unfreundlichen Verhaltens gegenüber einem anderen, ebenfalls von beiden Vereinen unabhängigen Menschen geworden. Ich werde das Gefühl nicht mehr los, daß es dieser bestimmten Person zwar auch noch um die Sache, aber doch vor allem um die eigene Person geht, die wie ein typischer höherer Politiker gern im Mittelpunkt stehen möchte.

    Als Bürgerbewegung hatten wir – egal ob in einer Initiative oder unabhängig – doch immer im Sinn, eben nicht wie die Politiker zu werden. Also das Verbindende in den Vordergrund zu stellen und nicht das Trennende.

  5. 5
    tom says:

    es gibt ja schon längst wieder eine neue ausstellung in der vitrine. diesmal vom verein sie waren nachbarn. komisch dass ihr über diese nicht berichtet aber immer noch die alte auf eurer titelseite habt.

  6. 6
    Susanne says:

    @ tom, das klingt richtig vorwurfsvoll! Warum denn? Bisher haben wir immer über die Ausstellungen von „Sie waren Nachbarn“ in der Vitrine berichtet. Die Ausstellung wird ja November und Dezember zu sehen sein … das kommt schon noch. Selbst auf der eigenen Webseite der Initiative ist ein sehr kurzer Artikel erst gestern erschienen. Aber wenn es Dir zu lange dauert, dann kannst Du gerne einen Gastartikel schreiben.

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